Tune of the week: Miles Away – Anywhere // Togetherfest Bericht

Modern Life is War Togetherfest

Modern Life Is War – Foto von Simon Veith für Stageload.

Diese Woche wollte ich gerne bloggen, konnte aber nicht, weil die“Quota“, also das Kontingent meines Uberspace-Servers, voll war. Auf dem Server lagen von mir unbemerkt ein paar zu viele Backups und so konnte ich mein WordPress-Backend vorübergehend nicht mehr erreichen. Mal wieder einer dieser Momente, in denen ich mich ärgere, dass ich mich so wenig mit der ganzen Programmierebene des Bloggens auskenne. Aber was soll’s mit etwas Hilfe bin ich wieder online und allzu viel Zeit hatte ich die Woche eh nicht. Schon allein wegen der zwei Konzerte, die ich besucht habe: Basement (letztes Jahr in der kleineren Location war besser) und Tigers Jaw (bin immer noch kein Fan von zu viel Brianna-Gesang) im Lido sowie das Togetherfest im Astra. Dass ich bei letzterem zugegen war, habe ich Miles Away zu verdanken, denn die Australier konnte ich noch nie live erleben und ich liebe, liebe, liebe ihren Song „Anywhere“. Den Rest der Bands hatte ich eigentlich schon zu oft gesehen (Touché Amoré, Modern Life Is War) oder nicht unbedingt anschauen wollen (Gorilla Biscuits). Wieso ich trotzdem ziemlich viel Spaß hatte und jetzt unzählige blaue Flecken meinen Körper zieren, lest ihr im folgenden Bericht.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=NrGWgAnwacU

Review: Togetherfest (27.02.16, Astra, Berlin)

In einem ausführlichen Artikel über Hardcore Punk und die damit verbundene familiäre Szene wäre das Kern-Lineup vom Togetherfest definitiv komplett vertreten. Miles Away als australisches Aushängeschild seit 2002, Modern Life Is War als die Band für alle, die ab 2003 Hardcore für sich entdeckten, Touché Amoré als tourverrückte, melodischere Einstiegsband seit 2007 und dann natürlich noch Gorilla Biscuits, die mit ihrem Album „Start Today“ (1989) der Youth Crew Bewegung ein Gesicht gaben und seitdem ein paar Mal alle Jubeljahre mit den alten Songs auf Tour gehen. Kein Wunder also, dass selbst ein großer Konzertladen wie das Astra in Berlin gut gefüllt war und ein sehr abwechslungsreiches Publikum anzog.

Dass außer den immer noch tourenden alten Größen die aktuelle Hardcoreszene nicht viel Gutes zu bieten hat, wird schnell klar, wenn man sich mal GWLT anhört. Die Münchener dürfen die gesamte Europatour über das Togetherfest eröffnen und eine Hörprobe vor der Berliner Show brachte mich sehr schnell dazu, die Band wohlwissentlich zu skippen und erst pünktlich zu Miles Away aufzulaufen. So viel Subjektivität muss schließlich erlaubt sein…

18 Uhr war offizieller Togetherfest-Beginn und nur 40 Minuten später stand mit Miles Away tatsächlich schon die zweite Band auf der Bühne. Die Australier machen sich hierzulande extrem rar und waren seit ihrer Tour mit Cruel Hand vor über fünf Jahren nicht mehr in Europa. Für solch ein illustres Package als Special Guest unterwegs zu sein, wollten sie aber nach eigener Aussage dann doch nicht ausschlagen. Schade nur, dass die Halle zu groß und (noch) zu leer, der Bühnenrand zu hoch war für Miles Away, als dass wirklich Stimmung rüberkommen würde. Lediglich bei Hits wie „Brainwashed“ oder „Anywhere“ taute das Publikum auf und man bekam einen kleinen Einblick, wie überzeugend eine Clubshow sein würde.

Touché Amoré wiederum haben eine dermaßen starke Fanbase, dass ihnen auch die große Astra-Bühne nichts anhaben konnte. Sänger Jeremy Bolm wirkte so zufrieden und heiser wie die dutzenden Male in Deutschland zuvor und schafft es ohne Probleme, der Menge einzuheizen. Der gewohnt gut ausgewählte Mix aus allen Hits der drei Studioalben brachte durchweg Bewegung ins Publikum. Abgesehen von „Honest Sleep“ ließen sich schwer eindeutige Publikumsfavoriten ausmachen – beim letzten Song waren natürlich alle am Ausrasten und Jeremy mitten drin. Faszinierend, dass die Gefahr des „Übertourens“ bei Touché Amoré nicht existent zu sein scheint. Egal, wann und wo man sich die Band anschaut, es finden sich immer genug motivierte Leute. Da freut es einen doch, dass bald neues Material seinen Platz auf der Setlist finden wird. Die nächste Platte ist in den letzten Zügen und wird wohl Ende des Jahres erscheinen. Mit „New Halloween“ (?) gab’s den ersten Vorgeschmack live zu hören – Fans brauchen sich keine Sorgen machen, eine völlig neue Richtung wird wohl nicht eingeschlagen.

Kurz nach 8 schlug die Uhr für Modern Life Is War. Auch wenn mittlerweile vermutlich jeder MLIW-Fan die Band nach ihrer Reunion schon einmal gesehen haben dürfte, wurden Jeffrey Eaton und Co. nicht minder gefeiert. Ob alte Hits wie „By the sea“ oder „I’m not ready“ oder neuere Songs wie „Chasing My Tail“, sobald es laut wurde, hagelte es Stagedives und Singalongs. Gekrönt wie gewohnt von „D.E.AD. R.A.M.O.N.E.S“, bei dem auch Jeremy Bolm mit ans Mikro durfte. Laut seinem Instagram-Account das Highlight seines Lebens. Gab es die Gelegenheit wirklich noch nie zuvor? Aber generell schön, wie freundschaftlich die Bands untereinander umgehen. Jeffrey stand zuvor auch schon bei Touché Amoré auf der Bühne und alle lobten sich gegenseitig über den grünen Klee in ihren Ansagen.

Bisschen mehr Witz brachten dann Gorilla Biscuits auf die Bühne, so scherzte Sänger Civ über ihren Namen („Wir sind nur von außen süß“) oder bezeichnete das erste Ende des Sets als „Fake Last Song“. Natürlich durften auch die hardcoretypischen „Seize the day“ und Positive Mental Attitude Ansagen nicht fehlen. Es mochte nicht jeder der Anwesenden einen persönlichen Bezug zu den Hardcore-Urgesteinen gehabt haben, aber eine gewisse respektvolle Ehrfurcht war durch die Reihen zu spüren. Vom schwitzigen Gedränge vorne ging gar eine tropische Atmosphäre aus. Ein gelungener Abschluss des überraschend überzeugenden Togetherfests. Die Luft für die Partygänger danach dürfte etwas abgestanden gewesen sein.

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