
Nach einigen Jahren in Agenturen wurde mir klar: Ich will meine Arbeitszeit für etwas Sinnvolleres einsetzen und in eine gemeinnützige Organisation wechseln.
Meine größte Hürde: überhaupt eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen. Mit etwas Geduld hat es geklappt. Mittlerweile habe ich selbst einige Menschen in Nonprofitorganisationen (NPOs) eingestellt und weiß deshalb ganz gut, worauf es bei Bewerbungen ankommt.
Wenn du überlegst, aus einem Unternehmen, einer Agentur oder einem anderen beruflichen Umfeld in den Nonprofitsektor zu wechseln, solltest du vor allem zwei Fragen beantworten: Warum willst du genau diese Stelle – und warum bist gerade du dafür interessant? Denn „Ich möchte etwas Sinnvolles machen“ ist zwar eine gute Motivation für einen Wechsel, aber noch kein Argument für deine Einstellung.
Motivation: Warum genau diese Organisation?
Mach deutlich, warum du ausgerechnet bei dieser Organisation und in diesem Themenfeld arbeiten möchtest. Ob du bei einer Organisation für Katastrophenhilfe oder Digitalpolitik arbeitest – und ob dort 15 oder 200 Menschen beschäftigt sind – macht einen großen Unterschied.
Konkret werden: Was kannst du?
Keine Buzzwords, nicht nur eine Erfolgskennzahl nach der anderen. Zeig anhand konkreter Beispiele, was du bisher gemacht hast und welche Fähigkeiten du mitbringst.
Gerade beim Quereinstieg ist dabei etwas Übersetzungsarbeit nötig. Schließlich kann es gut sein, dass die Person, die deine Bewerbung liest, mit deinem bisherigen Jobtitel oder bestimmten Begriffen aus deiner Branche wenig anfangen kann. Wer aber beispielsweise aus Sales oder Account Management kommt, bringt sicher Fähigkeiten mit, die im Fundraising relevant sein können.
Mehrwert herausstellen: Was bringst du der Organisation?
Heb hervor, welchen Beitrag du zu den aktuellen Herausforderungen der Organisation leisten könntest. Ja, dafür ist etwas Recherche notwendig. ;)
KI nur zur Unterstützung nutzen
KI kann hilfreich sein, um einen Text zu strukturieren oder Formulierungen zu überprüfen. Sie sollte dir aber nicht die eigentliche Arbeit abnehmen. Man merkt schnell, wenn Formulierungen austauschbar werden und Inhalte keine Substanz haben. Ganz besonders, wenn es individuelle Bewerbungsfragen gibt! Umso wichtiger ist es, dass du dir wirklich Zeit für deine Bewerbung nimmst.
Netzwerken: Erst fragen, dann abschicken
Fällt dir eine Person ein – und wenn es nur die Kollegin aus dem Job vor fünf Jahren ist – die die Organisation kennt und dir ein paar Tipps geben kann? Dann sprich mit ihr, bevor du die Bewerbung abschickst. Auch für Vorstellungsgespräche hilft es sehr, wenn du dich vorab mit Menschen unterhalten kannst, die dort arbeiten.
Veranstaltungen besuchen

Du hast keine Bekannten mit entsprechenden Kontakten? Geh dorthin, wo Menschen aus dem Sektor zusammenkommen: zu Veranstaltungen von gemeinnützigen Organisationen, Fachkonferenzen oder Podiumsdiskussionen.
So verstehst du besser, welche Herausforderungen sie gerade beschäftigen. Komm mit Menschen ins Gespräch, zeig Interesse und erzähl ruhig, dass du dich beruflich verändern möchtest. Vielleicht erfährst du so von einer Stelle, bevor sie ausgeschrieben wird. Vielleicht ist dein Profil bei einer späteren Ausschreibung schon bekannt. Und wenn nicht, hast du zumindest mehr über einen dir neuen Sektor gelernt.
… und dann braucht es manchmal auch Glück
Natürlich gehört bei einem Quereinstieg auch etwas Glück dazu – gerade in einem Arbeitsmarkt, in dem deutlich mehr Menschen nach Stellen suchen als passende Jobs vorhanden sind. Bei mir war es damals eine ehemalige Agenturlerin, die meine Bewerbung überflog und mein Profil spannend fand. Sie war letztendlich meine Türöffnerin. Eine sorgfältige Vorbereitung auf die Gespräche war aber trotzdem wichtig.
Hier muss dir einfach klar sein: Für den Wechsel in den Nonprofitsektor braucht’s mehr Zeit als für die nächste x-beliebige Stelle beim Konkurrenten deines jetzigen Arbeitgebers. Du bewirbst dich nicht nur auf eine neue Stelle, sondern musst einem neuen Sektor erklären, warum deine bisherige Erfahrung auch für ihn relevant ist.