The marks humans leave are too often scars

Review: John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter („The Fault in Our Stars“)

Wäre das Blogging-Netzwerk tumblr ein Beliebtheitswettbewerb, so würde John Green immer auf dem Treppchen landen: Der Schriftsteller aus Indiana wird dort dermaßen oft zitiert, dass er selbst alte Giganten wie Shakespeare oder Bukowski überholen würde – und dabei ist der Amerikaner noch gut im Geschäft. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist sein neuester Streich. Ein Jugendbuch per definitionem, jedoch eigentlich durchaus ein Roman für alle Literaturfans.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hazel Grace Lancaster, 16 Jahre alt und an Lungenkrebs erkrankt. Obwohl sie jeden Tag mit einer Sauerstoffflasche herumlaufen muss und der Tod höchstwahrscheinlich nicht mehr allzu lang auf sich warten lässt, versucht sie ihr Leben so normal zu führen, wie es eben geht. Jedoch macht ein Alltag bestehend aus einem Studium der „English Literature“, Krankenhausvisiten und ganz viel Trash-TV nur begrenzt glücklich. Als sie bei ihrer nervigen Krebs-Selbsthilfegruppe Augustus Waters kennenlernt, einen intelligenten 17-jährigen mit Holzbein und Schalk im Nacken, beginnt eine Zeit voller langer Telefonate, humorvoller Diskussionen und körperlicher Zuneigung. Endlich kann sich Hazel wie ein richtiger Teenager fühlen.  Leider wollen sich die beiden aber ständig vor sich selbst retten – niemand will den anderen verletzen, wenn er denn mal die Erde verlässt. Und natürlich spielt ihnen auch immer wieder die Gesundheit einen Streich…

Was zunächst klingt wie eine einfältige Teenager-Liebesgeschichte mit Tragödieneinschlag, ist vielmehr eine facettenreiche kleine Erzählung. Die beiden jungen Protagonisten wirken dank ihren Nahtoderfahrungen wie Erwachsene, ständig über Tod und Leben und Liebe philosophierend. Green skizziert voller Freude ihre schwermütigen Gespräche und kreiert damit einen aussagestarken Satz nach dem anderen. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist aber auch mehr als nur eine als Story verpackte Zitatsammlung voller Weisheiten. Dafür hat es nämlich zu viel Witz! Der Roman trieft vor Sarkasmus – ob bei der Beschreibung des Neu-Blinden Isaac oder Hazels nüchterner Sicht der Dinge. Vielleicht ist das dieser Galgenhumor, von dem alle immer sprechen. Und schließlich bleibt gewiss auch das Berührende, Nahegehende nicht aus. Denn natürlich gibt es kein Happy Ending, kein „happily ever after“ für alle Beteiligten. Wie auch? Im Endeffekt ist Krebs nun mal ein bösartiger Tumor, der unaufhaltsam mit der Todesfahne winkt.

Und so zaubert „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mit Leichtigkeit ein Lächeln auf die Lippen, während die letzte Träne noch nicht getrocknet ist. Diese knapp 300 Seiten versüßen einem den Abend und hinterlassen gleichzeitig einen bitteren Nachgeschmack. So fühlt sich also Tiefgang an.

„Much of my life had been devoted to trying not to cry in front of people who loved me, so I knew what Augustus was doing. You clench your teeth. You look up. You tell yourself that if they see you cry, it will hurt them, and you will be nothing but a Sadness in their lives, and you must not become a mere sadness, so you will not cry, and you say all of this to yourself while looking up at the ceiling, and then you swallow even though your throat does not want to close and you look at the person who loves you and smile.“

Das Buch wurde mir zur Verfügung gestellt von der Buchbox Berlin.

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2 Kommentare

  1. 14. September 2014 / 18:49

    Das hast du alles wirklich schön ausgedrückt! Mir hat das Buch auch super gefallen, weil Green es schafft, auf dem schmalen Grat zwischen Humor und Tragik zu wandern.

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