Von Troja bis Panama: 5 Romane, die mich gefesselt haben

Lesen zählt zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Bücher, die mir gefallen, haben meistens einiges gemeinsam: sie sind Romane statt Sachbücher und bieten eine klare Sprache, ein gutes Erzähltempo, Figuren, die man gern begleitet, und oft auch einen gesellschaftskritischen oder historischen Bezug.

In der Community Goodreads gelte ich als eher strenge Leserin und Freund:innen greifen häufig zu Büchern, die bei mir mehr als 3 von 5 Sternen bekommen. Welche das zuletzt waren – und warum –, erfahrt ihr hier.

Ann Napolitano – Hallo, du Schöne

Originaltitel: Hello Beautiful
Verlag: Dumont
Handlung: William wächst in schwierigen Verhältnissen auf und erfährt erst durch seine Freundin Julia, wie sich eine herzliche Familie anfühlt: Die vier Padavano-Schwestern nehmen ihn nur zu gern in ihr Miteinander auf. Doch seine Depression wirft nicht nur Julias durchdachte Pläne für ihre gemeinsame Zukunft über den Haufen, sondern treibt auch die Familiengemeinschaft auseinander.
Einschätzung: Der an „Little Women“ angelehnte Roman zeigt über Jahrzehnte, wie die Figuren zwischen Nähe und Distanz, Ehrgeiz und Rückschlägen ihren Platz im Leben suchen – und dass sich Liebe nicht planen lässt.

Cristina Henriquez – Der große Riss

Originaltitel: The Great Divide
Verlag: Hanser
Handlung: Im Panama des frühen 20. Jahrhunderts treffen für den Bau des Kanals Menschen aus aller Welt aufeinander. Während der amerikanische Arzt John Oswald versucht, Krankheiten einzudämmen, muss Ada aus Barbados Geld für ihre kranke Schwester verdienen. Der junge Fischer Omar wiederum sucht einen Weg aus der Armut. Rassentrennung, soziale Spannungen und harte Arbeitsbedingungen prägen das Leben in der Kanalzone.
Einschätzung: Henríquez’ multiperspektivisch erzählter Roman über die koloniale Ausbeutung Panamas versetzt eindringlich in die Vergangenheit – und verliert dabei den Bezug zur Gegenwart nicht aus dem Blick.

Elena Fischer – Paradise Garden

Verlag: Diogenes
Handlung: Die 14-jährige Billie lebt allein mit ihrer Mutter Marika in einer Hochhaussiedlung. Sie kommen gerade so über die Runden, gestalten sich ihr Leben aber fantasievoll bunter, als es ist. Nach einem Streit mit der Großmutter stirbt Marika plötzlich, und Billie flüchtet vor dem Jugendamt. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat.
Einschätzung: Elena Fischers Debüt ist ein Coming-of-Age-Roman mit Roadtrip-Elementen. Die Handlung wirkt stellenweise konstruiert, doch Atmosphäre und Figuren gleichen diese Schwächen aus.

Madeline Miller – Das Lied des Achill

Originaltitel: The Song of Achilles
Verlag: Eisele
Handlung: Der junge Prinz Patroklos wird ins Exil geschickt und begegnet dort Achill, dem beeindruckenden Sohn der Meeresgöttin Thetis. Aus Freundschaft im Kindesalter wird eine tiefe Liebe und so ziehen sie gemeinsam in den Trojanischen Krieg, der ihnen einiges abverlangt.
Einschätzung: Miller erzählt eine der bekanntesten Episoden aus der Ilias neu – mit einem Blick auf die Beziehung zwischen Achill und Patroklos. Ein lesenswerter Zugang, der mich als „Troja“-Fan gut unterhalten hat.

Rebecca Makkai – Die Optimisten

Originaltitel: Great Believers
Verlag: Eisele
Handlung: 1985 hat die AIDS-Epidemie die Schwulenszene Chicagos fest im Griff. Galerist Yale findet sich auf der Trauerfeier seines Freundes Nico wieder und fragt sich, wen es als Nächstes trifft. Der Aufbau einer neuen Kunstsammlung lenkt ihn ab, doch schon bald hat das Virus Einfluss auf weitere seiner Beziehungen. 2015 sucht Nicos Schwester Fiona in Paris ihre Tochter, die sie in ihrem Engagement gegen die Krankheit aus den Augen verloren hat.
Einschätzung: Makkai zeigt eindrucksvoll, wie traumatische Ereignisse ein Leben prägen – ob durch zerbrochene Familien, verlorene Freundschaften oder neue Karrierepfade. Die Passagen aus den 1980ern haben mich ähnlich bewegt wie Hanya Yanagiharas „Ein wenig Leben“, während die Paris-Handlung im Vergleich etwas blass bleibt.

Zum Schluss noch ein Bonustipp mit Einschränkung, denn „gern“ habe ich dieses Buch nicht gelesen – dafür ist die Thematik zu bedrückend.

Kate Elizabeth Russell – Meine dunkle Vanessa

Originaltitel: My Dark Vanessa
Verlag: C.Bertelsmann
Handlung: Die 15-jährige Vanessa beginnt eine Beziehung mit ihrem Englischlehrer. Lange glaubt sie, ihre Gefühle seien Liebe. Erst später erkennt sie die Manipulation und den Missbrauch, dem sie ausgesetzt war. Jahre später wird ihr Lehrer erneut beschuldigt, und Vanessa muss ihre Erinnerungen und die eigene Rolle hinterfragen.
Einschätzung: Ein bedrückender Roman über Machtverhältnisse und Traumata, der schwer auszuhalten ist, mich aber durch seine Intensität nicht losgelassen hat.

Jetzt bin ich neugierig: Welche Romane haben euch zuletzt so richtig überzeugt? Ich suche immer nach neuem Lesestoff.

Und wenn ihr mehr Büchertipps wollt, schaut mal in diesen Artikel zu Literatur rund um Rassismusthemen.

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