
Im Januar habe ich fast einen Monat in Vietnam verbracht. Ein Hauptgrund für die Reise war das Essen – ich wollte herausfinden, wie gut sich vietnamesische Küche vor Ort vegan genießen lässt.
In Berlin hatte ich vietnamesisches Essen schon längst lieben gelernt. Das liegt auch daran, dass hier eine der größten vietnamesischen Communitys Europas lebt – entstanden durch die Zeit der Vertragsarbeit in der DDR. Fast 25.000 Menschen mit vietnamesischen Wurzeln leben heute in der deutschen Hauptstadt. Ich habe mich also gefragt: Authentisch ist das Essen hier wahrscheinlich schon, aber wie nah kommt es wirklich ans Original in Vietnam?
Wie es mir auf meiner Reise vom Süden in den Norden Vietnams ergangen ist, erfahrt ihr hier – mit Tipps für den Reisealltag, den besten Streedfood-Snacks und meinen liebsten veganen Restaurants.
Was dich bei der vietnamesischen Küche erwartet

In Vietnam gehört Fleisch für viele zum Alltag – dazu zählen auch Tiere, die europäischen Besucher:innen eher ungewöhnlich erscheinen, wie Frösche oder Schlangen. Gleichzeitig hat der Buddhismus einen großen Einfluss: An bestimmten Tagen im Mondkalender – zum Beispiel am 1. und 15. – verzichten viele Vietnames:innen bewusst auf Fleisch. Vegetarische Ernährung wird deshalb mit Respekt begegnet.
Ein hilfreiches Stichwort ist „chay“ (vegetarisch). Es kennzeichnet Restaurants oder Imbisse, die fleischlose Gerichte anbieten. Praktisch für Veganer:innen ist, dass Milchprodukte in der vietnamesischen Küche kaum eine Rolle spielen. Schwieriger zu umgehen sind Fischsoße, Butter und Eier.
Dein veganes Statement als Grundlage
Am besten kam ich damit zurecht, meine Ernährung direkt klar anzusprechen. Da Veganismus in Vietnam kaum bekannt ist und oft mit vegetarischem Essen gleichgesetzt wird, hatte ich eine kurze Botschaft auf dem Handy gespeichert – von einer vietnamesischen Muttersprachlerin überprüft. Wichtig: Den Text nicht nur abspeichern, sondern griffbereit haben. Ich hatte ihn als Screenshot in den Favoriten.
I am a vegetarian. I don’t eat meat, fish, pork, or chicken. I also don’t eat milk, butter, eggs, cheese, fish sauce, and honey.
Tôi ăn chay. Tôi không ăn thịt, cá, thịt lợn hay thịt gà. Tôi cũng không ăn sữa, bơ, trứng, phô mai, nước mắm và mật ong.
Häufig kam dann die Rückfrage: „Can you eat garlic and onions?“, weil manche gläubigen Buddhisten diese Zutaten vermeiden. Ich habe sie aber bewusst nicht in meine Nachricht aufgenommen – zu groß die Gefahr, dass das missverstanden wird („Sie will unbedingt Zwiebeln!“).
Natürlich ist die Nachricht kein Garant für veganes Essen: Mal wurde die Milch im Kaffee weggelassen, aber Butter aufs Baguette gestrichen. Oder die Milch fürs Müsli kam separat dazu, obwohl ich versucht habe, zu erklären, dass ich eigene dabeihabe. Trotzdem war die Botschaft ein sehr hilfreicher Anfang.
Vegan reisen in Vietnam – Snacks für unterwegs

Essen gehen ist in Vietnam zwar sehr günstig, aber vermutlich werdet ihr nicht dreimal täglich im Restaurant einkehren. Gerade an Reisetagen mit langen Distanzen – und da gibt es einige – solltet ihr euch als Veganer:innen Mahlzeiten für unterwegs einpacken.
Hier hat Vietnam im Vergleich zu Thailand, Kambodscha und Co. einen großen Vorteil: In allen größeren Städten gibt es vegane Bánh-mì-Stände. Das belegte vietnamesische Baguette habe ich in den Nachbarländern wirklich vermisst – in Vietnam macht es das Reisen deutlich einfacher.
Darüber hinaus habe ich frittierte Bananen geliebt – die „Chuối Chiên“ sind mir allerdings nicht so oft begegnet wie erhofft (und ich habe oft danach gesucht). Damit ich in solchen Situationen nicht auf dem Trockenen sitze, hatte ich fast immer Bananen, Cashews, Oreo-Kekse und Fruchtchips dabei. Fürs Frühstück packte ich zusätzlich Erdnussbutter, Marmelade und Pflanzenmilch in den Rucksack – viele Unterkünfte bieten Müsli für westliche Gäste an.
All das lässt sich problemlos vor Ort kaufen. In größeren Supermärkten wie Co.op oder Fujimart habe ich oft nach weiteren veganen Produkten gesucht, gefunden habe ich dort aber außer Obst, Gemüse und Chips kaum etwas. So wurde das kleine Snack-Quartett zu meiner Routine.
Die besten Restaurants für Veganer:innen in Vietnam

Das Essen gehen war natürlich eine der schönsten Erlebnisse meiner Vietnam-Reise. Ich habe viele Restaurants getestet und mich dabei bewusst auf vietnamesische Küche fokussiert – sie wurde mir nie langweilig und westliche Alternativen waren selten die bessere Wahl.
Zur Orientierung habe ich sowohl Google Maps als auch die HappyCow-App genutzt. Auf Google findet man oft aktuellere Bewertungen – ich suchte einfach nach „vegan“ oder „chay“ –, über HappyCow bin ich aber hin und wieder auf Orte gestoßen, die bei Google gar nicht auftauchten. Am besten funktioniert also eine Kombination beider Tools.
Hier nun meine Empfehlungen für Lokale, in denen ihr guten Gewissens Pflanzliches essen oder euch etwas zum Mitnehmen holen könnt. Ich habe die Liste nach Städten geordnet, vom Süden in den Norden.
Ho-Chi-Minh-Stadt
- Bánh Mì XANH: Nicht nur dank der vielen Standorte ein guter Snack fürs Mittagessen.
- Hum Signature – Plant-based fine dining: Wird wahrscheinlich das teuerste Essen eurer Vietnam-Reise, aber es lohnt sich sehr. Unbedingt reservieren!
- Vị Quê Kitchen: Hier könnt ihr euch querbeet durch die vietnamesische Küche testen.
- nâunâu: Hätte ich mit mehr Zeit gern noch getestet.
Mekong Delta
- Boutique Lodge Can Tho Homestay: Eine der besten Unterkünfte des Trips. Abends wird immer frisch für alle Gäste gekocht und auf Veganer:innen wird (mit Vorabinfo) gut eingegangen.
- Hủ tiếu chay Huỳnh Duyên: Schmackhafte Suppe in Ben Tre.
- Cửa hàng chay Minh Tâm: Vegetarischer Supermarkt und Restaurant in Ben Tre – ich habe hier nur eingekauft (z. B. Instant Suppen), nicht gegessen. Wäre aber bestimmt gut gegangen.



Con Dao
- Madame Hà: Mein liebstes Restaurant in Vietnam, besonders zu empfehlen sind das Bánh mì und die Smoothies.
- An Ơi Café: Eine gute Frühstücksoption – die Besitzerin ist Veganerin.
Hoi An
- Minh Hien: Vegetarisches Restaurant, von dem ich die gefüllten Tofutaschen gern mit nach Berlin genommen hätte.
- Lê Hội Bánh MÌ Chay: Eher Backwerk-Standard, aber für den Preis (ca. 50 Cent) ein guter Reisesnack.
- Ellie’s Café: Viel Gutes gehört, leider nicht genug Zeit gehabt.
Da Nang
- Bao An Macrobiotic: Gesunde Gerichte, die schmecken.
- Roots Plant-Based Cafe: In einer sehr touristischen Stadt kann man auch mal in ein westliches Café gehen und sich über veganen Kuchen freuen. Fand ich besser als Kurumi.



Hué
- Hotel La Perle: Haben sich richtig Mühe gegeben, das Frühstück anzupassen (und Unterkunft auch empfehlenswert).
- Nhà Hàng Chay: Etwas außerhalb, aber einziger Ort, wo wir in Hué gut warm gegessen haben.
- Bánh Chuối Chiên: Dafür gabs hier meine ersten frittierten Bananen, yay.
Phong Na
- Phong Nha Vegan Restaurant: Ich träume noch von den „Mushroom Skewers“ (s. u.) und habe sie mir gleich zwei Tage hintereinander bestellt.
- The Rice House: Wenn ihr vor Ort Abwechslung wollt, das andere hat mir aber besser gefallen.
- Touranbieter Oxalis versteht vegane Ernährung auch, sodass ihr euch fürs Mittagessen nichts extre mitnehmen müsst.
Ninh Binh
- Xpresso Coffee & Cake: Nach ein paar Wochen Aufenthalt in Vietnam durfte es mal Granola von einem amerikanischen Betreiber sein.
- HELLO BÁNH MÌ: Von den günstigen Bánh-mì-Optionen war das meine liebste.



Hanoi
- Cumulus Restaurant: Zurecht ein bekannter Food spot – auch meine favorisierte Anlaufstelle in Hanoi.
- Quán Chay Khai Tuệ: Sehr gute Option für Pho!
- Chay Tâm Khởi: Auch hier gibt’s gute Suppe.
- Abracado: Optimal für ein zweites Frühstück nach dem Besuch des Hoa Lo Gefängnisses.
- Bánh chuối Nguyễn Trường Tộ: Frittierte Bananen die Zweite :)
- Bao An Vegan street food: Leider geschlossen wegen Lunar New Year, sonst hätte ich es gern getestet.
- Hẻm Vegan: Wegen der Feiertage und damit verbundenen Schließungen sind wir hier zweimal eingekehrt – kann man machen, aber ist kein Muss.
Fazit – Vegan in Vietnam macht Spaß

Schlussendlich fand ich es relativ einfach, mich in Vietnam vegan zu ernähren. Dadurch, dass die grundlegenden Gerichte leicht zu adaptieren sind, gab es immer vegetarische Alternativen, die häufig vegan waren. Ich hatte den Eindruck, dass das Essen im Süden aromatischer und stärker gewürzt war, während im Norden häufiger Fleischersatzprodukte zum Einsatz kamen. Vielleicht habe ich im Süden aber auch einfach die besseren Restaurants gefunden.
Und um zu meiner Anfangsfrage zurückzukommen: Ja, das Essen in Berlins besten vietnamesischen Restaurants kommt erstaunlich nah dran ans Original. In Vietnam habe ich jedoch einige außergewöhnliche Tofu- und Gemüsekreationen probiert, die es hier selten gibt. Und während in Deutschland oft thailändische oder japanische Gerichte mit auf der Karte landen, bleibt die Küche in Vietnam meist konsequent vietnamesisch.
Wart ihr auch schon mal in Vietnam? Wenn ja, wie und wo hat es euch geschmeckt?
PS: Ich habe mich gegen einen allumfassenden Vietnam-Reiseblog entschieden, weil es davon schon unzählige im Internet gibt und wir nicht allzu sehr von der Standardroute abgewichen sind. Falls ihr übers vegane Essen hinaus Fragen habt, stellt sie mir aber natürlich gern.
„Ein Hauptgrund für die Reise war das Essen“ – ging mir ganz genauso – und einer der vielen Gründe, wiederzukommen.