Welcome to the Media Ring

MediaTeamMit einer dicken Erkältung und schmerzenden Füßen sitze ich vor meinem PC und lade Bits und Bytes von Fotos hoch. Die BIMUN Konferenz 2013 ist zwar offiziell vorbei, doch die Nachwehen sind spürbar. Ich war als „Chief Editor“ in Bonn dabei und erlebte die wohl stressigste Woche meines Lebens. Aber von vorn:

GruppenfotoIn Bonn simulierten fünf Tage lang über 200 Delegierte die Arbeit von UN und EU. In sechs Gremien diskutierten die Studierenden aus aller Welt internationale Problematiken und erarbeiteten länderübergreifende Lösungsvorschläge. Veranstaltet vom Verein BIMUN/Sinub e.V. stand die zwölfte BIMUN-Simulationskonferenz unter dem Motto „Dimensions of Development: Challenging the Status Quo – Envisioning Alternative Frameworks”. Aufgeteilt in die Komitees des Internationalen Gerichtshofs, des Sicherheitsrats, des Wirtschafts- und Sozialrats, des CCPCJ (Commission on Crime Prevention and Criminal Justice) sowie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen verfassten die Teilnehmer gemeinsame Beschlüsse, die dann beim Abschlussprogramm den „wahren“ UN-Vertretern vorgestellt wurden.

The "Media Ring"

The „Media Ring“

Zu einer wirklich realitätsnahen Simulation gehören natürlich auch Medienvertreter, die alle hitzigen Diskussionen beobachten und beschreiben. Ein eigens zusammengestelltes „Media Team“ aus knapp zwanzig Online- und TV-Journalisten sorgte daher zusätzlich für die nötige Authentizität. Genau dieses Team habe ich geleitet, obwohl ich vorher noch absolut gar keine „Model UN“-Erfahrung hatte. Eine Freundin aus dem Vorstand hielt mich für die qualifizierteste Wahl, ich konnte mir die nötige Zeit freischaufeln und schwupps, fand ich mich in nächtelangen BIMUN-Diskussionen wieder. Schließlich musste schon im Voraus entschieden werden, wo und wie wir veröffentlichen (zum ersten Mal online statt Print) und welche Bewerber für welche Jobs in Frage kommen. Das „Media Team“ würde zwar jeden Artikel auf bimunnews.net veröffentlichen, die Journalisten deckten aber verschiedene Zeitungen und Positionen ab, zum Beispiel „BIMUN Times“ oder „Al Wazeera“.

Das United Nations Development Programme im "unmoderated caucus" (Copyright: Freya Dombach)

Das United Nations Development Programme im „unmoderated caucus“ (Copyright: Freya Dombach)

Als alles Grundlegende kurz vor der Konferenz geklärt war und sich selbst die kurzen Vorstellungstexte eines jeden endlich online fanden, sollten sich alle einen Tag vor offiziellem Beginn schon einmal kennenlernen. Kurz bevor das Pre-Programme, die „International Lounge“, im Hostel begann, erzählte jeder etwas über sich und ich versuchte auf Englisch meine fehlende MUN-Erfahrung nicht allzu offensichtlich werden zu lassen und Licht ins Dunkel des Journalistenalltags zu bringen. Als ich mich dann später im Getümmel der ganzen Teilnehmer fand und Fotos machen musste (man war ja schließlich nicht komplett zum Vergnügen da!), war die Überforderung komplett. Zum Glück hatte ich bereits geklärt, wer über die Eröffnungszeremonie am nächsten Tag Artikel verfassen sollte, so ging ich relativ entspannt morgens aus dem Haus. Bis sich dann herausstellte, dass a) fast alle Bahnen ausfielen b) die Hälfte meines Teams vergessen hatte, dass Sonntag war („mein Bus kommt gar nicht!“), c) ein erstes Mitglied schon den Folgen der Nacht zuvor erlag und d) manchen der Dresscode „Western Business Style“ offensichtlich fremd war. Naja, irgendwie fanden sich dann doch bis zum Beginn (mehr oder weniger) alle ein und es musste geklärt werden, wer alles fotografiert. Den vom Verein gebuchten Fotografen tippte ich noch schnell meine Mailadresse ins Handy, dann rannte ich nach oben und versuchte den ersten BIMUN-Tweet abzusenden. Schließlich hatte ich mir den BIMUN-Twitteraccount unter die Nägel gerissen – „Ich hab ja Zeit, während alle schreiben“. Pustekuchen. Das „Media Team“ war wie ein Sack Flöhe hüten und oft war Twitter dann doch zweite Priorität.

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Meine rechte Hand – ich seh passenderweise aus wie ’ne Leiche.

Wer ist wo? Und wo macht es Sinn? Wer schreibt wann was? So einfach war die Teamkoordination nicht. Zum ersten Mal lernte ich, was es heißt „Manager“ zu sein und wie viele Organisationsmeetings dafür nötig sind. Die Diskussionen etwa liefen ja nicht nach einem strikten Schema. Wenn etwas Interessantes passierte, musste jemand vor Ort sein. Jemand wird für Unpünktlichkeit bestraft und muss „What does the fox say“ singen? Es gibt eine Pressekonferenz? Stift fallen lassen und schnell hin, filmen. Und dann später in einem Artikel erwähnen. Für selbst schreiben hatte ich meist keine Zeit, schließlich mussten alle der über 60 Artikel freigegeben werden (zum Glück hatte ich einen extra Korrekturleser), es mussten WordPress-Hilfestellungen gegeben, zusätzliche Artikelideen geklärt und Wünsche vom Vorstand erfüllt werden. Abgesehen davon, dass bimunnews.net möglichst viele Klicks erhalten sollte. Eine „Media Team“-Präsentation in den sechs Komitees, das Verbreiten provokativer Artikel über die sozialen Netzwerke und das Networken mit den Komitee-Vorsitzenden zählten somit auch zu meinen Aufgaben. Meine Vorstandsfreundin half mir, so gut es ging und war der direkte Draht zum „Executive Board“. Zum Beispiel, wenn es darum ging, als umweltbewusste „Green Conference“ in allen Komitees auf einmal das Licht auszuschalten. Selten bis gar nicht fanden wir jedoch Zeit, uns auch mal selbst in die Sessions reinzusetzen oder kurz durchzuatmen. Entspannung gab es auch abends nicht wirklich: Ob Rathausempfang, Karaoke oder Dinnerparty, jeder Abend war durchgeplant und meist blieb Zuhause maximal Zeit für einen kurzen Outfitwechsel. Und da der Tag bekanntlich nur 24 Stunden hat, war auch die Zeit zum Schlafen rar gesät.

Doch trotz der vielen Arbeit, trotz des psychischen Drucks und der körperlichen Anstrengung, war #bimun13 einfach cool. Man testet nicht nur seine eigenen Grenzen aus, sondern lernt extrem viele Leute kennen und befindet sich für eine Woche in einer komplett anderen Sphäre. Meine „normalen“ Freunde? Die Nachrichten oder Probleme aus der „richtigen“ Welt? Der Haushalt Zuhause? Alles wird sieben Tage lang komplett ausgeblendet und verdrängt. Kein Wunder, dass manche Teilnehmer schon eine zweistellige MUN-Zahl auf der Kappe stehen haben – wenn man sich einen etwas entspannteren Job sucht, kann man mit den UN-Simulationskonferenzen bestimmt den Spaß seines Lebens haben.

Wer sich für internationale Politik bzw. MUN generell interessiert, der wird sowohl in Schulen als auch Universitäten fündig. Simulationskonferenzen und die dazugehörigen Vereine gibt es überall auf der Welt. Recherchiert einfach mal ein bisschen im Internet!

Update (12.12.13): Bundesstadt.com hat mich zu BIMUN interviewt!

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