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Review: Jo Nesbø – Rotkehlchen

Dank Henning Mankell gibt es in fast jedem Buchladen ein extra „Krimis aus dem Norden“-Regal, seit Stieg Larsson tauchen allerdings so viele Thriller aus Skandinavien auf, dass das Regal ohne Probleme eine komplette Wand einnimmt. Wahrscheinlich greift man deswegen automatisch zu dem Buch, das mit seinem fetten „The next Stieg Larsson“-Aufkleber etwas aus der Masse heraussticht. Es ist ein „Harry Hole“ Thriller von Jo Nesbø. Nesbøs Reihe über den norwegischen Ermittler umfasst mittlerweile neun Teile und wird immer bekannter. Das von mir gelesene „Rotkehlchen“ ist zwar erst der dritte Band, liest sich aber größtenteils wie der Anfangsroman, denn es ist Harrys erster Fall in Norwegen und bildet damit den Grundstein für die darauffolgenden Geschichten.

Die Handlung ist, gelinde gesagt, komplex. Über die ersten hundert Seiten werden zahlreiche Personen eingeführt, der amerikanische Präsident wird in Norwegen fast angeschossen, wir erfahren von den Nazis an der Ostfront und einer Liebesgeschichte im „angeschlossenen“ Wien von 1944. Wie das alles miteinander zusammenhängt, wissen wir allerdings nicht. Noch nicht. Schließlich hat Nesbø sichtlich Spaß daran, so viele Stränge wie möglich zu erfinden und diese erst nach und nach miteinander zu verbinden. Dadurch sind wir sehr gespannt, gleichzeitig aber auch erst einmal gelangweilt. Die wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge tragen auch nicht gerade zur Unterhaltung bei. Doch nicht verzagen, es lohnt sich: Einmal den schwachen Einleitungspart überstanden, finden wir uns in einer Welt voller politischer und persönlicher Verschwörungen wieder. Da muss man zwar immer noch zwischendurch zurückblättern, wer noch einmal Brandhaug war, findet sich aber in der Story immer mehr zurecht. Harry Hole wurde nämlich zur Strafe in den norwegischen Geheimdienst versetzt, wo er am Ende des Gangs nicht viel mehr tun soll als Däumchen drehen. Auf der Suche nach Beschäftigung stößt er auf den illegalen Import einer deutschen höchstgefährlichen Kriegswaffe. Die norwegische Neo-Nazi-Szene scheint damit im Zusammenhang zu stehen. Aber wofür braucht jemand ein derart gefährliches Gewehr? Und wie kann man jemanden stoppen, von dem man nicht mehr weiß als den Spitznamen? Harry Hole hat es nicht gerade einfach und selbst obwohl wir Leser ihm immer etwas voraus sind (z. B. heißt der Thriller ja „Rotkehlchen“ …), können wir das komplette Ende bei weitem nicht vorhersehen. Und das ist doch das wichtigste Kriterium für einen Krimi, oder?

(Nächstes Mal warnt ihr mich aber bitte vorher, dass man einen norwegischen Thriller über die Nazizeit im deutschsprachigen Gebiet nicht in der englischen Übersetzung liest!)

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