When travelling, take large doses of patience and tolerance

1Dieses Jahr ist meine Urlaubsreise alles andere als nach Plan gelaufen und ich möchte euch erklären, wieso. Vielleicht kann ich jemanden davon abbringen, dieselben Fehler zu machen.

Ihr erfahrt nämlich in den nächsten Zeilen

    • wieso man niemals FTI Touristik buchen sollte
    • wieso man nicht mit Tunisair fliegen sollte
    • warum Super Last Minute cooler wirkt, als es ist.

Eigentlich sollte es dieses Mal nach Tunesien gehen. Wir wollten einfach nur in die Sonne und nach gefühlt tausend Stunden rumstöbern bei Holidaycheck wirkte das Nordafrika-Angebot am besten. Klar, Tunesien ist immer mal wieder Krisengebiet, aber Mitte Juli war schon seit längerem alles in Ordnung gewesen. Dummerweise wurde den Abend vor unserem Abflug ein Oppositionspolitiker erschossen und die Proteste flammten wieder auf. Das führte zu einem freitäglichen Generalstreik von Tunisair und dementsprechend zu einer Annullierung unseres Fluges. Ich sah die Nachricht, als wir gerade in den Zug Richtung Frankfurt Flughafen steigen wollten (8 Uhr). Wir stiegen ein, in der Hoffnung vor Ort alles klären zu können.

FTI Touristik

Pustekuchen. Auf der Suche nach unserem Veranstalter FTI Touristik stießen wir nur auf einen Sammelschalter verschiedenster Veranstalter – und geführt von Air Berlin. Der dort sitzende Herr wusste nicht einmal von der Lage in Tunesien. Er rief FTI für uns an und überbrachte uns die Mitteilung, einfach abzuwarten. Den Telefonhörer geben könne er uns allerdings nicht. Weil uns diese komplette Nicht-Information nicht ausreichte, kämpften wir uns durch die Bandansagen von FTI bis wir endlich bei der Tunesien-Verantwortlichen angelangt waren. Diese wusste ebenfalls nicht (!) Bescheid über den Tunisair Generalstreik und faselte davon, dass wir uns an unser Reisebüro wenden sollen. Das kam mir zwar etwas komisch vor, aber gut, Holidaycheck angerufen. Die dortige Mitarbeiterin betonte – sehr viel netter als FTI -, dass sie als Reisebüro längst nichts mehr machen können, alle Verantwortung läge bei FTI. FTI Touristik wollte daraufhin bei einem erneuten Anruf die Verantwortung an Tunisair weiterschieben. Dies ist bei Pauschalreisen unüblich, aber gut, auf zum Schalter von Tunisair.

Tunisair ist ebenfalls nicht beim größten Flughafen Deutschlands vertreten, auf uns warteten lediglich zwei Damen einer Dienstleistungsfirma, die unsere Namen auf einer handschriftlichen Liste eingetragen haben. Wir würden dann irgendwann von Tunisair angerufen, ob wir morgen oder übermorgen fliegen könnten. Na super. Wir wollten doch eigentlich nur noch in den Urlaub – egal wohin – aber Umbuchung oder gar Stornierung, das wäre keinesfalls möglich, so FTI Touristik. Also buchten wir uns auf eigene (!) Kosten ein Hotel. Eine erneute Fahrt zum Flughafen wäre teurer gewesen und wer weiß, was die von uns erwarten („Ihr fliegt in einer Stunde, seid mal da“). Gerade dort angekommen (mittlerweile 17 Uhr) kriegen wir einen Anruf von FTI, ob wir nachts von Nürnberg aus nach Enfidha (nochmal weiter weg vom Zielort als der ehemalige Zielflughafen Tunis) fliegen könnten. Bahnfahrt ab Frankfurt würde uns bezahlt. Wir zögerten, ließen uns alles schicken und uns dann doch von der netten Rezeptionistin davon abhalten, unter derartigem Umständen nach Tunesien zu fliegen. Sie rief sogar einen Kontakt an, der ihr bestätigte, dass alle anderen Veranstalter kostenlos umbuchten. Wir riefen also erneut FTI an. Umbuchung ginge überhaupt nicht, doch oha, wir durften auf einmal kostenlos stornieren. Es hatte sich nichts, NICHTS, geändert seit unseren mittäglichen Nachfragen. Tunesien war noch immer genauso gefährlich, der Generalstreik zählte noch immer als „höhere Gewalt“ (Reiserecht is a bitch) und Tunisair hatte noch immer nicht angerufen. Das soll einer mal verstehen.

Freitagabend hatten wir also nichts mehr – außer die Aussicht auf das erstattete Geld der Reise. Und die Einsicht, dass sowohl FTI Touristik als auch Tunisair nie wieder gebucht werden. Service sieht anders aus.

 Super Last Minute

Da standen wir also mit vollgepackten Koffern für 9 Tage Sommerurlaub in der Lobby eines Frankfurter Hotels. Immer noch heiß aufs Reisen entschließen wir uns für etwas, was wir uns sonst vermutlich niemals getraut hätten: die (sowieso bereits bezahlte) Nacht im Hotel zu verbringen und am nächsten Tag in aller Frühe zum Flughafen zu fahren für eine (absolut super) Last Minute Urlaubsbuchung.

Um 9 Uhr stehen wir demnach an einem Schalter des Last Minute Anbieters Maxholiday, der ausnahmsweise früher geöffnet hat. Wir erklären unsere Situation und unsere Bedingungen: max. 800 € pro Person, Strandurlaub, mind. Halbpension, ab sofort. Der Typ ist erst einmal erleichtert, dass wir nicht wie die zwei Mädchen zuvor für 150 € p. P. zwei Wochen wegwollen, ist dann aber kurz danach doch entsetzt, wie wenige Angebote noch übrig sind. Flugplätze gibt es reichlich, doch die Hotels sind dank Sommerferien alle ausgebucht oder absolut nicht empfehlenswert. In einer Woche hätte er wohl einiges, wir sind aber zeitlich an unsere bereits geplante Urlaubszeit gebunden. Letztendlich haben wir nur die Wahl zwischen einem Hotel nähe Alanya (Türkei) und Ballermann. In die Türkei wollten wir eigentlich beide nicht schon wieder, aber einen ruhigen Strandurlaub können wir da wohl besser erleben als auf Mallorcas Partymeile. Demnach wird die achttägige Türkeireise gebucht – es war absolut kein Sonderangebot – und ab geht’s zum Flughafen Köln Bonn mit dem noch schnell via Smartphone gebuchten Fernreisebus.

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Dort dann mehrere Stunden ausgeharrt bis zum Check In, wo die Dame am Schalter etwas verwundert ist, weil wir nicht auf ihrer Flug-Liste stehen. Es gibt aber noch Plätze, also checkt sie uns ein und fügt uns auch gleich mal beim Rückflug hinzu. „Das war hoffentlich die letzte Hürde“ denken wir uns und steigen später erleichtert in den Flieger. Wir frohlocken sogar angesichts unserer XXL-Plätze mit extra Beinfreiheit, die wir niemals nötig gehabt hätten. Nach der Landung um 23 Uhr in Antalya laufen wir schnurstracks zum Veranstalter Öger Tours, den wir schließlich morgens gebucht hatten. Wie es sich schon beim Check In angekündigt hatte, war die Kommunikation aber wohl auf irgendeiner Ebene mangelhaft: der türkische Part von Öger Tours weiß nichts von unserer Spontanaktion und dementsprechend ist auch kein Transfer geplant worden. Wir mussten notgedrungen 1.5 Stunden auf den nächsten ankommenden Flug warten und dann in den Bus für die Gäste steigen, die zumindest einigermaßen in unsere Richtung gebracht werden. To cut a long story short: Um 3 Uhr nachts kommen wir dann auch mal in unserem Hotel an. Dieses sieht ganz gut aus, leider begegnen uns die beiden Herren an der Rezeption aber mit großen Fragezeichen in den Augen. Uns hatte man nicht erwartet. Nochmal diskutiert, finden wir uns irgendwann auf dem Zimmer, ohne überhaupt darüber informiert worden zu sein, wie die Hotelabläufe so sind. Aber was soll’s, nach 20 Stunden reiner Reisezeit fallen wir müde ins Bett und verpassen natürlich prompt das Frühstück. Immerhin ist das Hotel nach mittäglicher Begutachtung dann doch zufriedenstellend, gerade auch in Anbetracht der kurzen Bedenkzeit. Wenn man jedoch darüber nachdenkt, wie viel wir für den kurzen Urlaub dort zahlten, kann man von diesem romantisch verklärten „mit Koffer zum Flughafen“ (zumindest in den Sommerferien) nur abraten. Schließlich kommt zu dem hohen Preis auch noch die oben beschriebene Reise-Tortur sowie die ständige Angst, dass noch irgendetwas nicht geplant wurde (ihr wisst nicht, wie oft wir uns vergewissert haben, dass der Rücktransfer uns auch wirklich abholt).

Lasst Super Last Minute also lieber sein – und wenn ihr diesen Nervenkitzel unbedingt haben wollt, dann schraubt eure Ansprüche etwas runter und fahrt wenigstens eine Woche vorher zum Flughafen in eurer Nähe.

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