And your friends; are they dangerous?

Ich schreibe zu viele Konzert-Reviews. Vielleicht gehe ich auch einfach nur wieder auf zu viele Konzerte. Schönes Feiertagstanzverbot euch!

Review: Seahaven, City Light Thief (Cassiopeia, Berlin)

Wenn die „Zukunft des Indie” die erste Headliner-Tour in Deutschland spielt, muss man sie sich angucken. Auch, wenn es mitten in der Woche ist. Auch, wenn die S-Bahnen zur Konzertlocation ausfallen. Die Rede ist von Seahaven, diesem Indie-Punkrock-Kollektiv aus den Staaten. Im September waren sie bereits mit The Story So Far in deutschen Gefilden, begleitet von einer gigantischen Promo-Maschine bespielten sie pünktlich zum Erscheinen des neuen und zweiten Albums „Reverie Lagoon: Music for Escapism Only“ noch einmal Köln, Hamburg und Berlin.

In unserer Hauptstadt wurden Seahaven von City Light Thief supported, welche dank des gerade beschriebenen ÖPNV-Dilemmas nur teilweise gesehen werden konnten. Wie lange es diese Band schon gibt (2003) und wie man sie trotzdem immer wieder „nur“ als Support erlebt… Musikalisch weiterentwickelt haben sie sich definitiv, progressiver ist es geworden. Nur das kindliche Rumgespaße auf der Bühne ist das Alte geblieben.

Von dieser Witzeklopperei hätten sich Seahaven mal ruhig eine Scheibe abschneiden können. Nach einer ewig langen Umbaupause stand die Band gegen 10 auf der Bühne und Sänger Kyle ergriff nur äußerst selten das Wort. Außer den obligatorischen „Thank You“s kam nicht wirklich etwas über seine Lippen. Aber nun gut, man war ja wegen der Musik im Cassiopeia. Die war eigentlich ganz gut. Die Band spielte einen abwechslungsreichen Mix aus alten und neuen Songs, wobei die langsamen Lieder mehr überzeugten. Kyles Stimme ist live rauer und weniger clean als auf Platte, was den ruhigen Sachen einen weiteren Kick gibt. Da kann man den „Escapism“ spüren und sich gedanklich in anderen Welten verlieren. Bei den schnelleren Songs fehlte ein bisschen die Energie und man vermisste die Eleganz der Vocals, die man von den Recordings kennt. Vielleicht war aber auch nur das Mikro der zweiten Stimme zu leise eingestellt. So richtig zufrieden schien die Band eh nicht mit dem Sound gewesen zu sein, zumindest zuppelten sie nach jedem Song gefühlte Stunden an ihren Instrumenten rum.

Apropos zufrieden: Das nicht sonderlich zahlreich erschiene Publikum war durchweg ruhig, es wurde weder groß mitgesungen noch frenetisch applaudiert. Dieses Verhalten gibt den Eindruck des Konzerts direkt wieder: Seahaven sind live nicht schlecht, wirklich enttäuscht dürfte niemand nach Hause gegangen sein. Eine große Offenbarung war das allerdings auch nicht.

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