Fit in 30 Tagen

Fit in 30 Tagen„Mit einem regelmäßigen Training von 20 bis später 60 Minuten kann es jeder in 30 Tagen zu einer sommerstraffen Figur schaffen“, verspricht der Klappentext von Barbara Beckers Fitness-DVD „B. Fit in 30 Tagen“. Fragt sich, ob „jeder“ „Ich jogge mal hin und wieder, mache aber nichts mit Plan und will nun definieren“ oder „Ich mache seit acht Jahren verletzungs- und faulheitsbedingt keinen Sport“ bedeutet. Ich bin nämlich letzteres und dachte mir, ich müsste mal endlich wieder mit etwas Bewegung starten. Oder meinen Physiotherapeuten zitierend: „Mach endlich mal Sport, sonst sind deine Knie bald auch kaputt“. Mit Warnung trainiert’s sich gut, mit Stress zum Abbauen im Nacken noch besser, also wird die DVD nach einer kleinen Eingewöhnungsphase von zwei Monaten dann auch mal ausgepackt. Es wird empfohlen, das Training mit einer Gymnastikmatte (die olle Festival-Isomatte) und barfuß oder mit Turnschuhen (Turnschuhe sind zu heiß) zu absolvieren. Außerdem solle man sich doch schon einmal das beiliegende Heft ansehen, um die Übungen zu verstehen. Ich kann mir das ohne Video eh nicht vorstellen und will mir auch nicht die Spannung nehmen.

Also los geht’s, Teil 1 wartet: Schwerpunkt Beine. Barbara Becker turnt mir am Strand von Miami Aufwärmübungen vor, ich mache sie nach. Das Laminat unter meinen Füßen knirscht ganz schön (meine Nachbarn fragen sich vermutlich auch, was hier abgeht), aber ansonsten erfüllen die Übungen ihren Zweck. Mir wird warm (heiß). Los geht’s mit den normalen Beinübungen. Überwiegend Varianten von Knie- und Pobeugen. Anstrengend, aber verständlich und machbar. „Na, das wird vielleicht ja wirklich was“, denke ich mir und packe erschöpft die Isomatte zusammen. Ha! Da hatte ich noch keine Bekanntschaft mit dem zweiten Teil gemacht: Bauch, Taille und Innenseite Oberschenkel. Also genau die Körperteile, die man ca. nie trainiert. Jetzt wird mir auch bewusst, was sich vorher schon angedeutet hatte: diese Barbara Becker ist ganz schön schnell mit ihren Bewegungen. Bis ich die Übung verstanden habe, ist sie schon halb durch mit ihrem Programm. Nichtsdestotrotz bin ich trotzdem im Eimer und komme mir bei der „Schwimmen“-Übung vor wie ein gestrandeter Wal. Muskelkater kündigt sich an, aber hey, ich geb‘ doch nicht nach zwei Tagen auf. Also „Schwerpunkt Po und Bauch“. Nach der Hölle den Abend zuvor ist das fast angenehm, ich stoße aber trotzdem immer wieder an meine Grenzen und zweifele sehr stark daran, dass ich die Übungen auch alle korrekt ausführe. Und dann ist da auch noch die Sache mit dem fehlenden Gleichgewicht… Aber was soll’s, es zieht und brennt. Das soll es ja, oder etwa nicht? Am nächsten Tag dann wieder von vorn. Beine. Taillenscheiß. Po-Mist.

Ich kämpfe mich durch. Jeden Tag eine „Verpflichtung“ nach der Arbeit zu haben, nervt ganz schön. Einmal stehe ich ernsthaft eher auf, weil ich abends für die Übungen keine Zeit habe. Einmal verpasse ich das Frühstück, weil man das Training mindestens eine Stunde nach dem Essen machen soll – also mache ich es davor. Einmal habe ich wirklich keine Zeit und turne den Tag darauf zweimal 20 Minuten rum. Nie wieder. Eigentlich soll man die Übungen nach und nach kombinieren können, aber ganz ehrlich? Auch nach 20 Tagen strengt mich ein Programm so sehr an, dass ich nicht imstande bin, noch eins hinterherzuschieben. Ob ich die Übungen falsch mache? Zumindest die „Brezel“ erschließt sich mir auch nach mehrmaligem Ausprobieren nicht. Die DVD sagt, die Hüfte muss schmerzen, mir schmerzt der Oberschenkel. Hmm… Den Trainer, der jetzt kommen und sagen würde „Aber ist doch klar, du hältst das Bein falsch, oder den Rücken oder oder oder“ gibt es halt nicht. Barbara Becker ist mir auch keine Hilfe. Bei der sieht ja eh alles leichtfüßig aus! Ich resigniere also und mache einfach weiter mit meinem Kram. Miss Beckers Wiederholungen erreiche ich nie vollständig, aber immerhin taucht zwischendurch schon ein „Ah, die Übung kenne ich“-Gedanke auf. Bis ich mir dann wieder irgendwo in meinem Zimmer den Arm oder das Bein einhaue und abgelenkt bin. Ist halt kein Fitnessstudio hier.

Irgendwann sind dann aber tatsächlich die 30 Tage rum. Endlich. Ich bin langsam genervt vom viel zu schönen Miami Beach und Barbaras breitem Grinsen. Und mein Körper? Ist da nun irgendetwas straffer? Ich weiß ja nicht. Ist bestimmt alles eher so Fata Morgana mäßig. Aber ich fühle mich besser. Ausgelasteter. Vielleicht sogar gesünder nach „Fit in 30 Tagen“. Vielleicht sollte ich wirklich mal meinen Schweinehund überwinden und vernünftig trainieren gehen. Aber dafür müsste ich ja das Haus verlassen…

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6 Kommentare

  1. 11. Juli 2014 / 21:33

    Das Haus musst du als arbeitende Frau doch eh verlassen und vielleicht motivieren dich ja die anderen Menschen, die z.B. im Fitnessstudio sind. Ich bin ein echter McFIT-Fan geworden. Und das sagt jemand, der immer eine 4 in Sport hatte und ein Körperklaus ist. 8(

    • 12. Juli 2014 / 13:02

      Ja, ich muss mal sehen, wie sich meine Fußverletzung entwickelt und dann könnte ich vielleicht echt mal ein Fitnessstudio in Anspruch nehmen. Ich bin bestimmt ein viel größerer Körperklaus! :(

  2. 11. Juli 2014 / 23:35

    Hm und du hast die 30 Tage echt durchgezogen? Ich hatte es mal mit einem Playstation-Programm versucht, aber es nach einiger Zeit wieder sein lassen. Ach dieser blöde Schweinehund!

    • 12. Juli 2014 / 13:03

      30 Tage sind halt so begrenzt, dass es noch irgendwie ging. Jetzt habe ich aber auch keinen Bock mehr.

  3. 18. Juli 2014 / 17:44

    Finds daheim aber irgendwie auch vieeeeeeel angenehmer.
    Mach immer so Videos von BeFit oder PopSugar oder manchmal Blogilates. Da sind auch ganz coole dabei – und keiner kann mich mit rotem Gesicht, raushängender Zunge und in absolut unsexy Sportkleidung sehen und sich über meine derben Flüche beschweren :D

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