Punctuality is the art of guessing how late the other fellow is going to be

Gründe fürs Zuspätkommen gibt es viele: Der Bus hatte Verspätung, das Handy wurde zu Hause vergessen, man wollte sich doch noch schnell eine Jacke holen … selten sind diese Gründe jedoch wahr. Es sind vielmehr Ausreden für „Oh, da bin ich aber zu spät aufgestanden“, „wollte noch schnell die Serie zu Ende gucken“ oder „hab im Internet die Zeit vergessen“. Wenn sich eine verspätende Person A dann nicht einmal nur schnell Geld bei der Bank holen wollte, sondern mit pünktlicher Person B verabredet war, heißt das für B meistens, dass B entweder in irgendeinem Café alleine rumsitzt, sich draußen die Füße abfriert oder gelangweilt Zuhause wartet. Weil Person B aber Person A eigentlich ganz gern mag, verzeiht er oder sie das auch gern ein, zwei Mal. Dummerweise zählt Person A jedoch zu den notorischen Zuspätkommern. Es gibt kaum eine Verabredung, kaum eine Unterrichtsstunde, wo Person A nicht „kurz vor knapp“ hereinschneit, immer mit einer halbherzigen Entschuldigung auf den Lippen. Das trifft sich in Kombination mit der Freundschaft zu Person B gar nicht gut. B weiß nämlich, dass Pünktlichkeit eine Tugend ist, eine hoch gelobter Wert der deutschen Gesellschaft. Und B findet Pünktlichkeit auch gar nicht so schwer. Wenn die Verabredung um 13 Uhr ist, dann ist B auch um 13 Uhr vor Ort. Vielleicht sogar ein paar Minuten eher, weil man ja nie weiß, was passieren könnte. Der Wecker wird immer passend gestellt und war man mal zu faul, direkt aufzustehen, wird das Frühstück eben im Vorbeigehen heruntergeschlungen.

Verabredungsangaben wie „Ab acht!“ oder „irgendwann nachmittags“ machen B nervös. Wann soll man denn erscheinen, wenn man „ab acht“ ankommen darf? Direkt um acht wäre fast schon unhöflich, halb neun noch in Ordnung, oder? Und was zur Hölle ist bitte „nachmittags“? Für Person A ist so etwas gar kein Problem. „So um acht, halb neun“ ist für A „frühestens neun Uhr“ und „nachmittags können wir ja mal telefonieren“ ist so ungenau, dass A diesen Zeitpunkt eh vergisst. Während A also völlig entspannt durchs Leben geht, macht sich B Sorgen um für andere Leute völlig irrelevante Dinge. B wird sogar auch noch andauernd vom Leben dafür gestraft, dass er / sie „in time“ am besprochenen Ort ist. Ist nämlich öfters ganz schön kalt und usselig dort. Deswegen wird B irgendwann sauer. Verabredungen mit A werden schon heimlich „vorverlegt“, weil man weiß, dass A sowieso erst zu der eigentlichen Zeit kommen würde. Außerdem nehmen Treffen mit A zusehends ab, bis sie irgendwann ganz zur Vergangenheit gehören. Es gibt nämlich noch viele andere Personen „Typ B“, die Pünktlichkeit schätzen. Und die wissen, dass Zuspätkommen keine Schwäche ist, sondern einfach nur fehlende Disziplin. Zuspätkommen zeigt eine geringe Wertschätzung des Gegenübers – und eine Arroganz der eigenen Person, die sich eigentlich niemand erlauben darf …

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2 Kommentare

  1. 5. Oktober 2012 / 17:18

    Ich bin definitiv Person B und mag Person A auch nicht besonders.

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