Let your pen fall down and you’ll never find it again

Review: Katja Berlin/Peter Grünlich: Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt – die Welt in überwiegend lustigen Grafiken

Was wir tun, wenn es an der Haustür klingeltJeden Tag werden wir von neuen Statistiken heimgesucht: „So viele User sind bei Facebook aktiv“, „Die meisten Deutschen nutzen Toilettenpapier von XY“, „Der Umsatz von XX steigert sich um 10 Prozent“ – meist sind die Nummer-Meldungen von Unternehmen und Marken in Auftrag gegeben, dabei könnte man locker die lustigsten Statistiken aus unserem eigenen Alltag ziehen. Katja Berlin macht genau das: auf ihrem Blog sammelt sie Schaubilder, die die Eigenarten unseres Lebens dokumentieren. Das kommt so gut an, dass jetzt bereits das zweite Buch dazu erschienen ist: „Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt – die Welt in überwiegend lustigen Grafiken“ ist eine Sammlung der besten neuen Beiträge, ausgewählt von Katja Berlin und Peter Grünlich. Auf 208 Seiten finden sich „echt ausgedachte“ Torten-, Balken- Kreis- und andere Diagramme, die uns und unser Alltagsleben parodieren: Die Gedanken während einer Gedenkminute, der Aufenthaltsort von fallengelassenen Stiften oder die Zeitpunkte einer juckenden Nase – alles findet seinen Platz. Die Zeichnungen sind vornehmlich amüsant und lassen uns schmunzeln, stets mit dem Gedanken im Kopf „Hach, ich bin nicht der/die Einzige“. Aber auch Nachdenken darf man hin und wieder, zum Beispiel, wenn eine Zeichnung die Gründe für einen Auslandsaufenthalt darstellt (2013: Lebenslauf. Nix mehr mit Abenteuerlust!).

Eine gelungene Mischung bietet das Büchlein also schon, jedoch natürlich nur ein kurzweiliges Vergnügen: Eine konzentrierte Viertelstunde und man ist durch mit „Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt“. Damit ist es schnell gebrandmarkt als schnelle Geschenkidee und zum Weiterreichen in der Familie, falls mal jemand aufgemuntert werden muss. Aber wieso auch nicht? Ein bisschen Spaß muss sein.

Übrigens: den anvisierten Spaß haben die sehr Internet-aktiven Leser am wenigsten. Denn wer den Graphitti-Blog verfolgt, kann sich höchstens an der schönen Aufarbeitung und Übersichtlichkeit erfreuen, bekommt aber sonst keinen Mehrwert. Und Schaubilder über falsch eingesteckte USB-Sticks, Katzen-Spleens und zweckentfremdete Jogginghosen lassen die Hardcore-Twitterer nur müde lächeln – da würde man kein Sternchen mehr vergeben.

*Mit Dank an @katjaberlin! Und herzlichen Glückwunsch zur Bestseller-Top Ten.

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1 Kommentar

  1. 19. September 2013 / 13:05

    witzige Idee auf jeden Fall ^^und ein toller sowie gut geschriebener Review
    Lg

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