Fuck your Generation Y

Generation YMit einem Alter zwischen 20 und 30 gehören wir zur Generation Y. Wir sind die Millennials, die Goldene Generation. Gut gebildet, selbstbewusst, karriereorientiert und technikaffin. Die Unternehmen wollen „frischen Wind“ in ihrem Business und reißen sich um uns Ypsiloner – denn wer eignet sich heutzutage besser als die viel gelobten Digital Natives? – So lautet zumindest die sozialwissenschaftliche Theorie.

Tatsächlich ist das viel gepriesene Ideal-Konstrukt Generation Y nur auf einen Teil der heutigen Studenten und Absolventen anwendbar. Klar, fleißige Mediziner kriegen ihren Doktor hinterher geschmissen, Informatiker werden schon während des Masters abgezogen und die ehrgeizigen BWLer können aus einer Reihe von Top-Arbeitgebern den Attraktivsten wählen. Es gibt aber auch noch die vielen Geisteswissenschaftler. Solch „2. Klasse Studenten“ wie mich. Wir „Dichter und Denker“ können mit unserem Studienfach zunächst keineswegs beeindrucken: Zu Beginn galten keine hohen Zulassungsvoraussetzungen und – nach Ansicht der Allgemeinheit – haben wir auch während des Studiums keine hohen Anforderungen zu erwarten. Der Status „Student“ sorgt bei uns nur so lange für positive Reaktionen, bis wir dem Gegenüber von unserem Fachbereich erzählen. Dass der Dekan der Bonner Philosophischen Fakultät beim Universitätsfest die meisten Urkunden aushändigen musste, ist nämlich absolut kein Wunder. Wir schwafeln schließlich nur ein bisschen rum, da muss man doch nix können für seinen Abschluss. Ach genau, „was macht man denn eigentlich dann damit?“ – Nun, Juristen werden schon mal nicht.

Dank solcher (vielleicht nicht ganz haltlosen) Anschuldigungen wissen wir Geisteswissenschaftler schon vor Abschluss des ersten Semesters: Ein Studium dieser brotlosen Kunst ist ein ziemlicher Luxus. Wenn wir später nicht in der Arbeitslosigkeit landen wollen, müssen wir dagegen etwas tun. Der Bachelor in Regelstudienzeit reicht da allein nicht aus. Gute Noten wahrscheinlich auch nicht. Um irgendwann einmal Geld zu verdienen, benötigen wir Arbeitserfahrung. Während des Studiums sollten wir also lieber studentische Hilfskraft bei Phoenix sein und nicht Kassierer beim Lebensmitteldiscounter um die Ecke. Ist der Nebenjob flexibel? Dann bleibt in den Semesterferien doch noch genügend Zeit für (unbezahlte) Praktika! Vielleicht ist ja auch ein Auslandsstudium drin; für „global awareness“ ganz losgelöst von der Theorie im Studium. Natürlich sollten wir aber auch nicht zu fixiert auf eine potentielle Karriere wirken. Deswegen sind wir zusätzlich äußerst selbstlos und helfen gern da, wo man uns braucht. Freiwilliges Engagement nennt sich das. Fachschaftsrat, Klimabotschafter? Na klar, alles drin!

Solch ein verkopfter „Musterlebenslauf“ ist natürlich nicht einfach. Innerlich wird balanciert zwischen Stress und Freizeit, man packt Leistungsdruck und Selbstzweifel in die hinterste Gehirnschublade. Immer angefixt von der Motivation, es diesen Naturwissenschaftsstrebern gleich zu ziehen. Denn Fakt ist: wir haben es nicht anders gewollt. Wenn sich der berufliche Erfolg mit dem – für uns interessanteren – Fach nicht ohne weiteres erreichen lässt, dann halt mit Wille und Durchsetzungskraft. Über Umwege können nämlich auch wir „Geistis“ zur Goldenen Generation zählen. Zurecht!

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