Forever Fucked

Bericht zur Trash Talk Show (30.06.13, Underground)

Es sind ja immer die Abende, von denen man nichts erwartet. So „kann man mal machen“-Shows ohne große Lust. Und auf einmal sitzt man dann erfreut und erledigt im Zug nach Hause, noch mit den lauten Klängen im Ohr. So geschehen auch beim Kölner Trash Talk Date. Die Kalifornier waren zwischendurch derart oft unterwegs, dass die Live-Stimmung merklich nachließ, die neue Platte „119“ bei Odd Future Records kam ebenfalls nur teilweise gut an. Darum wurde die Ankündigung einer erneuten Europatour mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Dann die Überraschung: das Underground ist selbst an diesem Sonntag schon von Beginn an voll, die Abendkassenkarten schwinden trotz angesetzten 17 Euro. Die beiden Supports In Circles und AYS spielen also bei weitem nicht vor einem leeren Club. Irgendwie bemerkenswert, dass vermutlich jeder Hardcore-Hörer AYS schon etliche Male gesehen hat und In Circles zurzeit ebenso viele Läden bespielen, sich aber niemand daran stört. Beide Bands werden gefeiert. Beide Bands verweisen auch ausdrücklich aufeinander: In Circles schätzen und bewundern ihre Gefährten von Against Your Society und nehmen sie als Vorbild, AYS unterstützen wie gehabt die lokale Hardcore-Szene und machen mehr Werbung für das In Circles-Merch als für ihr eigenes. Die unterschiedliche „Lebensdauer“ merkt man den Bands aber natürlich an: Zwar konnten sich In Circles schon eine kleine Fanbase aufbauen, es fehlt aber noch das Besondere an der Musik der Band und auch die Vocals könnten kräftiger sein – mal sehen, was die neue Platte im September bringt. AYS dagegen werden einfach nicht langweilig, beim obligatorischen „Snowblind“ am Ende des Sets rasten immer noch alle aus. Kein Wunder, dass Sänger Schommer davon spricht, die ganze Sache noch zwanzig Jahre lang durchzuziehen.

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Und was ist die Halbwertzeit von Trash Talk? An diesem Abend knapp zwanzig Songs in ca. 35 Minuten. Gestartet werden ihre Auftritte neuerdings nicht mehr mit „Hash Wednesday“ sondern mit „Dogman“ vom neuen Album. Das heißt allerdings nicht, dass der Platte viel Platz auf der Setlist eingeräumt wird. Die alten Songs dominieren noch immer: ob „Walking Disease“, „Manifest Destination“, „Sacramento is dead“ oder „Incarnate“, alle gewohnten Hits sind dabei. Sehr zur Freude der Fans, die komplett ausrasten und sekündlich stagediven. Es wird stickig im Underground; da sind nasse Körper, wohin das Auge schaut und mindestens ebenso viele mitschreiende Gesichter. Viele davon kennen sich untereinander, haben sich schon auf vielen Shows gesehen, sind teilweise weit gereist und feiern auch Trash Talk nicht zum ersten Mal. Die Unterstützung weiß die Band zu würdigen: Der neue Schlagzeuger haut enthusiastisch auf die Drums und Frontmann Lee Spielman wirkt ungewöhnlich gut gelaunt. Wohl froh darüber, zwischen den ganzen Festivalshows mal im kleinen Rahmen zu spielen. Mit seinem Tyler-Shirt und Golf Wang Vans ist er auch der einzige Hinweis auf den Labelwechsel, neugierige Odd Future Hörer sind wohl größtenteils Zuhause geblieben. Das somit textsichere Publikum hätte vermutlich auch bei der Zugabe aushelfen können: diese wurde nicht gespielt, weil die Band einfach nicht die Kenntnis anderer Songs hatte. Naja, vergessen wir das und konzentrieren wir uns auf das Spektakel, was man bis dahin erlebt hatte. Denn das war groß.

(Ich war für Stageload dort / Foto von Dario Dumancic)

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