A little make up doesn’t kill nobody

Natürlichkeit vs Make-up„Ich stehe auf natürliche Frauen“ ist der 08/15 Satz aller Heteros. Von Männern, die „ungeschminkt“ mit durchzechten Nächten und Bettvergnügen verbinden. Von Männern, die keinerlei Ahnung haben, was sich ihre Liebste jeden Tag ins Gesicht klatscht. Von Männern, denen gar nicht bewusst ist, was eigentlich alles zum „Gesamtpaket Frau“ dazugehört.

Concealer, Make-up, Puder, Bronzer, Rouge – das ist für viele Frauen die Morgen-Routine für einen „natürlichen“ Auftritt. Auf der Suche nach dem bestmöglichen Teint decken wir tagtäglich kleine Unreinheiten ab, verdecken Augenringe und sorgen für einen hübschen Glow auf unseren Wangen. Wieso sollten wir denn auch mit einem aschfahlen Gesicht oder dem Riesenpickel durch die Gegend stolzieren, wenn es so viel schöner geht? Wir sind ja keine Männer, für die Tagescreme das höchste aller Gefühle ist.

Fühlt man sich dadurch wie eine Lügnerin? Irgendwie schon. Den Natürlichkeitsverfechtern fällt das ganze Standardprogramm nämlich nicht einmal auf. Männer merken, wenn „Lidschatten“ drauf ist – also alles, was in irgendeiner Weise auf die Augen gehört –, wenn die Lippen eine andere Farbe haben als normal oder wenn Augenbrauen aufgemalt sind als wäre man Cara Delevigne höchstpersönlich. Aber das mattierende Puder, was uns weniger wie ein glänzender Streuselkuchen aussehen lässt? Nix da. Da wird eher wahrgenommen, wenn’s fehlt. „Du siehst aber blass aus, bist du krank?“ dürfen sich Ungeschminkte gerne mal gefallen lassen. Gehört man nicht zu der Handvoll Frauen, die außer Mascara nichts in die Hand nehmen müssen, wird wenig Schminke nämlich gerne mal mit fehlenden Mühen gleichgesetzt. Frauen mit einem Gesicht voll „leichten Tagesmakeups“ sind so normal geworden, dass sie meist als „natürlich“ hingenommen werden. Doch wehe, man holt noch zusätzlich den roten Knallerlippenstift raus. Dann ist es mit der Glaubwürdigkeit hin.

Nur was ist so schlimm an etwas Zierde fürs Gesicht, an dem Willen, das Beste aus sich heraus zu holen? Sich zu freuen, wenn der Lidstrich ausnahmsweise perfekt geschwungen ist, die Wimperntusche nicht klumpt und der neue Lippenstift einfach super zum Outfit passt – das ist doch eigentlich auch nicht verwerflich? Solange wir uns nicht vor dem eigenen Selbst schämen und an anderen Tagen ohne schlechtes Gewissen ungeduscht im Jogger auf der Couch hängen, darf man der Natürlichkeit im Alltag doch ruhig etwas auf die Sprünge helfen…

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14 Kommentare

  1. 19. Februar 2015 / 9:31

    Ich hab glaub ich, trotzdem ich derzeitig echt wenig Make-Up trage, irgendwie wenigstens immer etwas Concealer, Puder und Rouge drauf, wenn ich das Haus verlasse. Meistens ist der Griff dann zum Eyeliner und zur Wimperntusche aber auch nicht mehr weit :D wenn ich nicht gerade den Tag zu Hause verbringe, ist das okay für mich wenn man nackig im Gesicht ist. Das tut meiner Haut dann und wann mal ganz gut. Als ich immer noch in die Firma musste, war das schon immer recht viel Make-Up, Abdeckstift usw. Aber ganz ohne alles raus? Ne. Neeee. Niemals. Ich sehe das wie du – man kann auch mit etwas Nachhilfe natürlich aussehen. Muss ja nicht immer gleich das ‚in bunter Topf gefallen‘ Paket sein :)

    Liebe Grüße

    Tina

  2. 19. Februar 2015 / 11:32

    Das „Heteros“ im ersten Satz hat mich gekilled :D
    Bei mir gehören rote Lippen immer dazu. Dafür halte ich es bei anderen Sachen etwas dezenter.

  3. 19. Februar 2015 / 14:33

    Da bin ich wohl wirklich etwas untypisch… ungeschminkt ist bei mir auch ungeschminkt. Also wirklich ohne alles. Nur gewaschen und (manchmal) eingecremt. Aber auch die Creme ist ungetönt.
    Geschminkt wird sich nur zum Weggehen. Aber Alltag und Arbeit immer ohne.

    Aber du hast recht, mit dem was du sagst. Der Unterschied fällt den wenigsten auf. Und es ist absolut nicht schlimm, wenn jemand sich täglich „auffallend“ schminkt. Jeder so, wie er sich selbst gefällt.

  4. 19. Februar 2015 / 19:15

    Schlimmer als „Ich mag natürliche Frauen.“ finde ich es eigentlich nur, wenn ich mich für einen Anlass schminke und dann „Aber für mich brauchst du dich doch nicht zu schminken!“ kommt. Vielleicht mache ich es ja auch nur, weil ICH mich damit gut fühle?

    Übrigens gehörte mein Freund ursprünglich auch zur „Ich mag natürlich!“ Fraktion, wobei er eher „unkompliziert“ als „natürlich“ meinte, wie wir mittlerweile festgestellt haben. Wenn ich schwarzen Eyeliner trage, weil mir an dem Tag danach ist, dann findet er das auch gut. Dass ich mich vor einer Wanderung durch die Berge schminke, ist aber ausgeschlossen – was er ebenfalls gut findet.

    • 19. Februar 2015 / 19:24

      Ja, ich musste auch schon feststellen, dass dann mit der Zeit festgestellt wird „Ach, eigentlich sieht das doch gar nicht schlecht aus“. Und ich glaube eh, dass Frauen sich hauptsächlich wegen der anderen Frauen kleiden und schminken.

  5. 20. Februar 2015 / 7:58

    Ich kenne nur wenige Frauen, die sich so krass schminken – meistens die Augen. Ansonsten… nö. Besonders Make-up vewerden viele eher selten, weil es aufwendig ist und… man muss es nachher wieder abmachen :-(

  6. 21. Februar 2015 / 14:15

    Höhm. Also Make up und Puder sind bei mir eher das Ausgeh-Programm. Im Alltag benutze ich nur Wimperntusche und Kajal. Mein Rouge ist mein morgentlicher Weg mit dem Rad zur Arbeit. Danach sind die Wangen rot genug. ;))

    Ich finde, das sollte jeder händeln, wie er oder sie mag. Wenn jemand knallige Farben und rote Lippen toll findet, dann nur zu. Hauptsache, jeder fühlt sich wohl – und kann sich so ausleben, wie er oder sie mag.

    :)

  7. 21. Februar 2015 / 19:43

    Toller Post!
    Ich schminke mich gern – und da darf es auch gerne mal der rote Lippenstift sein. Und tatsächlich habe ich das auch schon einmal erlebt, dass vor allem die Herren der Schöpfung mich gefragt haben, ob ich müde sei, als ich mal vollkommen ungeschminkt in die Uni gegangen bin – was bei so einem „leichten Tagesmakeup“ alles zusammenkommt, wissen tatsächlich die wenigsten Männer… :D aber ich finde: solange man sich nicht zu einem völlig anderen Menschen schminkt, ist es total ok der Natur auf die Sprünge zu helfen.
    Liebste Grüße

  8. 22. Februar 2015 / 17:05

    Hey,
    oh man… über dieses Thema kann mich fast täglich aufregen und jeden Mann, der sagt er stünde auf natürliche Frauen, würde ich am liebsten schlagen und schütteln – und ihm mal zeigen, was „natürlich“ ist. Das ist ja nicht nur das „Tagesmakeup“, sondern auch die stoppeln an den Beinen und und und….
    ..mir ist es zudem vollkommen egal, ob Männer meine riesige Lippenstiftpalette als unnatürlich und unschön abstempelt. Ich laufe trotzdem auch hin und wieder im Alltag mit lila, pinken oder roten Lippen rum.

  9. 26. Februar 2015 / 15:51

    Ich gehöre leider auch zu den Frauen die mit einem zartgebräunten rosigen Teint gesegnet sind. Daher finde ich es ganz schön wenn man „etwas“ nachhelfen kann.
    Ich finde es sollte natürlich aussehen und nicht wie eine aufgesetzte Maske wirken. Für einen besonderen Anlass darfs auch schon mal der knallige Lippenstift und ein etwas dramatisches Augenmake-up sein. :-)
    Danke für diesen tollen Post, der genau das zusammenfast was viele Frauen sich denken :-)
    Lg Steffi

  10. 1. März 2015 / 21:17

    Schön, dass du darüber schreibst! Wie wahr es ist, dass mit „Natürlichkeit“ inzwischen eine natürlicher „Look“ gemeint ist und der Ausdruck nicht mehr wörtlich zu verstehen ist. Ich stimme absolut zu, Frauen machen sich in wahrscheinlich 80% der Fälle wenn nicht für sich selbst, dann für andere Frauen schick. Gehe persönlich zu oft raus wie ich ausm Bett gefallen bin und verstehe unter Makeup Eyeliner, Lippenstift (vielleicht Lidschatten und Mascara wenn ich lustig bin) aber so lange man es zur „enhancement“ nutzt und den Rahmen der Wiederkennbarkeit nicht sprengt ist alles wunderbar!

  11. 1. März 2015 / 21:25

    PS: Das T-shirt, will sehen, will haben!

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