Citizen & Turnover: Von verlorenen Stimmen & Nostalgie

„Ausverkauft ist keine Band“ dürfte im Vorfeld der passendste Spruch für Citizen x Turnover x Newmoon im Berliner Musik & Frieden gewesen sein. Bei einer Kapazität von nur knapp 200 Gästen hatten hauptsächlich die jüngeren Fans den Sinn des Vorverkaufs verstanden, drum sah der stets konzertgelangweilte Berliner nach der „Ausverkauft“-Verkündigung erstmal alt aus und das Geschrei nach Ticketwiederverkäufern war groß. Der Rest schätzte sich glücklich und war tatsächlich schon zu Showbeginn fast voll versammelt, sodass Newmoon den Abend vor einem gut gefüllten Raum eröffnen durften. Die größtenteils aus Midnight Souls Mitgliedern bestehende Band ordnet sich selbst in Richtung Dreampop / Shoegaze ein und konnte mit ihrem Debüt „Invitation to Hold“ bereits Touché Amoré Sänger Jeremy Bolm begeistern, der die EP über sein Label „Secret Voice Records“ vertreibt. Als Begleitung für die vier Citizen-Deutschland-Dates ergriffen die Belgier direkt die nächste Chance. Während des Sets wurde nicht viel geredet – dafür aber auf Deutsch gedankt – und sich voll und ganz auf die Musik konzentriert. Hatte definitiv eine gewisse Atmosphäre und verlieh den Songs auch noch einmal ein etwas anderes Kleid, so ganz wollte der Funke aber nicht überspringen. (Kann allerdings auch an den durchweg schwatzenden Tumblrkids neben mir gelegen haben.)

turnoverBatikshirts, verwaschene Jeans, Schnorres – Turnover leben Nostalgie augenscheinlich nicht nur musikalisch aus. Dass sie ihren eigenen Zeiten trotzdem nicht hinterhertrauern, wurde mit einem Blick auf die Setlist klar, die sich auf „Peripheral Vision“ und neues Material beschränkte. Der etwas rauere Live-Sound machte sich überraschend gut bei „Cutting My Fingers Off“, „I Would Hate You If I Could“ und Co. Das Publikum war der Band ebenso wohlgesonnen, jedoch nicht sonderlich textsicher oder gar enthusiastisch. Aber mitwippen kann ja auch schön sein.

Zeit für Citizen, oder auch nicht: Sänger Mat hat nach dem Auftritt in Köln seine Stimme verloren, sodass Hamburg und Berlin zu „All-Star-Gigs“ wurden. Anstatt die Konzerte einfach abzusagen, versuchte die Band nämlich so gut wie möglich Mats Parts zu ersetzen. Im Klartext bedeutete dies eine kürzere Setlist, Mehrarbeit für Gitarrist Nick sowie Unterstützung von Freunden wie Eric und Austin von Turnover. Natürlich war das Publikum angeregt, ebenfalls lautstark mitzusingen, was jedoch nur semi-gut klappte. Selbst Hits wie „Sleep“ oder „Roam the Room“ waren erstaunlich leise und nur in den seltensten Fällen kam wirklich Stimmung auf. Vielleicht spielte hier die Enttäuschung über den natürlich doch anders als erwarteten Auftritt mit, vielleicht ist man abgehtechnisch aber auch einfach zu verwöhnt von der Hardcoreszene. Citizen kann man da jedenfalls nichts übel nehmen, ein Canceln der Show hätte schließlich niemanden zufriedengestellt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=H6pHM6brIfA
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4 Kommentare

  1. 29. Januar 2016 / 10:45

    Wie schade, dass Mat seine Stimme verloren hat, ich war auf dem Konzert in Frankfurt und das ging wirklich sehr gut ab (sowohl von Seiten der Band als auch vom Publikum her).
    Newmoon habe ich ja leider verpasst, weil ich vergessen hatte, dass eventim mir mailte, dass alles eine halbe Stunde früher anfängt als auf meiner Karte vermerkt und ich dann eine halbe Stunde zu spät erst kam :/

  2. 31. Januar 2016 / 14:35

    Hab mir die Bands leider nicht genug vorher angehört, um aufs Konzert zu gehen…aaaaaber bessere Nachricht: Bear’s Den kommen in ein paar Monaten wieder nach Berlin. :’O

    • 31. Januar 2016 / 18:40

      Ich wollte dir auch schon Bescheid geben, aber dann war ich PC-los :D Ich versuche Gästeliste zu kriegen

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