Tune of the week: Mumford & Sons – Lover of the light

Review: Mumford & Sons, Bear’s Den, Everything Everything (Waldbühne Berlin, 18.07.15)

Was denkt man sich wohl als Band, wenn man von der größten Freilichtbühne Deutschlands gleich zweimal hintereinander auf 20.000 frenetisch feiernde Gäste schaut? „Okay, jetzt haben wir es wirklich geschafft!“ oder „Geil, die haben alle 70€ bezahlt?“ oder „Ich habe den besten Job der Welt!“? Worauf auch immer die Wahl fällt, eines ist klar: Mumford & Sons konnten bei ihren beiden Auftritten in der Berliner Waldbühne hautnah erleben, was es heißt, kommerziell erfolgreiche, radiotaugliche Musik zu machen. Abertausende Menschen aller Altersklassen reisten nur für die Briten in der stickigen S-Bahn nach Wilmersdorf und harrten teilweise von 16 bis 23 Uhr in den altehrwürdigen Gemäuern aus. Dafür wurde ihnen aber natürlich auch Ordentliches geboten.

mumfordandsonswaldbühne_laolaLos ging es um halb sieben mit der Folkband Bear’s Den. Einen passenderen Support für Mumford & Sons gibt es vermutlich nicht, schließlich schlagen die drei Briten genretechnisch in die gleiche Kerbe. Entsprechend gut kommt die knappe halbe Stunde beim Publikum an – es wird tatsächlich etwas leiser im prall gefüllten, trubeligen Stadion und wohlwollend applaudiert. Perfekte Promo für die Bear’s Den Tour im Oktober, denn es wird sich sicherlich der ein oder andere Mumford & Sons Besucher im Lido wiederfinden. Ob sich die Meute auch vorm Everything Everything Gig beim Lollapalooza Festival stapeln wird? Das mag bezweifelt werden. Die Special Guests des zweiten Tages – am Auftakttakt gaben sich The Very Best die Ehre – spielten ihren eigenwilligen Artrock vor einer gänzlich unbeeindruckten Audience. Zu vertrackt, zu ungewöhnlich sind die Klänge für die melodiös verwöhnten Mumford & Sons Besucher. „Kann der Scheiß denn jetzt mal langsam aufhören“ wird wohl nicht nur in den mittleren Reihen Spruch der Stunde gewesen sein. Immerhin steigt so die Vorfreude auf den Headliner. In der Umbaupause werden denn auch freudig La Ola Wellen und Mumford & Sons Sprechchöre geübt. Die Befürchtung, dass am Zusatztermin nur noch halbherzig gefeiert wird, ist spätestens jetzt zunichte gemacht. Auch am Samstag wird die Band begeistert empfangen, man war einfach nur nicht so schnell im Ticketkauf.

mumfordandsonswaldbuehneDer aktuelle Mumford-Longplayer „Wilder Mind“ ist jetzt nicht unbedingt das unumstrittenste Werk. Das merkt man natürlich auch live. Als Marcus Mumford und seine Mitstreiter um 21 Uhr die Bühne betreten, beenden sie zwar mit dem Opener „Snake Eyes“ die lange Wartezeit und werden entsprechend gefeiert, doch erst bei „I Will Wait“ wird sich auf den Sitzplätzen bequemt aufzustehen. Das Gefühl hält sich die gesamte zweistündige Auftrittszeit. „Believe“, „Ditmas“ und Co. zünden live zwar mehr als auf Platte, werden aber dennoch bevorzugt für Toilettengänge und Getränkenachschub genutzt, während bei „Lover of the light“ oder „The Cave“ jedermann auf den Plätzen verharrt und frenetisch mitsingt. mumfordandsonswaldbuehne2Dank ausgewogener Setlist gibt es jedoch immerhin keine Langeweile-Phasen, sondern einen bunten Wechsel zwischen Alt und Neu. Mumford & Sons schaffen so auch mit drei Alben ein kurzweiliges Spektakel und wirken dabei selbst so euphorisch wie ihr Publikum. „I like playing Berlin more than London“ ist vermutlich das größte Kompliment, was man den Anwesenden machen kann. Und vielleicht ist das auch die Antwort auf die Ausgangsfrage.

Teilen:

4 Kommentare

  1. 19. Juli 2015 / 21:27

    Ok das klingt jetzt gar nicht so schlecht. Allerdings habe ich das neue Album bisher auch nur einmal gehört und mir fehlt im Moment die Motivation, es mir noch ein zweites Mal anzuhören :/

  2. t.
    20. Juli 2015 / 15:21

    Wusste gar nicht, dass die Waldbühne in Wilmersdorf ist. Dachte das ist da, wo Hoppegarten in der Nähe ist. Bear’s Den sind wirklich ne gute Wahl. Überlege ob ich mir die live anschaue.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


Etwas suchen?