Kurzreview: Nick Hornby – „Miss Blackpool“

Nick Hornby hat mit „High Fidelity“, „About a boy“ oder auch „A long way down” so viele Popkultur-Klassiker geschrieben, dass sich ein neues Werk ohne großes Zutun wie geschnitten Brot verkauft. So natürlich auch das kürzlich als Taschenbuch erschiene „Miss Blackpool“, das im Original „Funny Girl“ heißt und somit nur ein weiteres Beispiel für die unsäglichen „Übersetzungsversuche“ deutscher Verleger ist.

„Miss Blackpool“ spielt – natürlich – in England und versetzt uns zurück in die 60er Jahre, als TV Shows noch prüde und Männer mächtig waren. Im Mittelpunkt des Romans steht trotz alledem eine junge Frau, die das Leben in der Provinz mit Kind und Kegel verneint, um im urbanen London Komikerin zu werden. Die schöne Barbara, die sich schnell der Karriere wegen in Sophie Straw umbenennt, landet nach einer kurzen Episode als Schuhverkäuferin sogar tatsächlich eine eigene Comedy-Serie bei der BBC. Mit dem Erfolg eben jener beginnt das ersehnte Leben rund um Drehalltag, Affären und Klatsch-Interviews.

Während es Hornby sonst ein Leichtes ist, identifizierbare Charaktere und Probleme zu beschreiben, kratzen seine Portraits dieses Mal nur an der Oberfläche. Stress mit den Eltern, Schreibblockaden, Eheprobleme, Outings – das Themenportfolio ist groß, geht dabei aber nie genug in die Tiefe, um irgendeine Form des Mitgefühls hervorzurufen. Hinzu kommen Analogien zur britischen Fernsehkultur, die den meisten Deutschen völlig fremd sein dürften, sowie ein Ende, was gar keins ist: „Miss Blackpool“ hört mittendrin auf, um dann mit einem glanzlosen Epilog in der Gegenwart anzuknüpfen. Wenn selbst dem Autor die Motivation fehlt, darf wohl auch dem Leser auf halber Strecke die Lust ausgehen.

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