What to do in Tel Aviv

bauhaus Tel AvivEs gibt nicht mehr wirklich viele Orte auf dieser Welt, die nicht von Touristen überrannt werden. Tel Aviv ist sicherlich auch kein Geheimtipp mehr, liegt auf der Skala beliebter Reiseziele aber zumindest zwischen der Antarktis und Kirgisistan am einen und Mallorca und Thailand am anderen Ende. Die Reaktionen auf meine Urlaubsankündigung ließen sich demnach in drei Varianten teilen: Von „Oh wie schön, war einer meiner besten Städtetrips“ über „Hatte ich ja noch gar nicht auf dem Schirm!“ zu „Israel. Ist es da nicht gefährlich?“. Um der letzten Gruppe schon einmal die Sorgen zu nehmen: Israel ist – anders als seine arabischen Nachbarstaaten – ein stabiler demokratischer Staat und hat den höchsten Lebensstandard im Nahen Osten. Klar, vor einem Ausflug nach Jerusalem sollte man vorher schon einmal schauen, ob die Lage dort einigermaßen entspannt ist und der Gaza-Streifen ist sicherlich nicht zu empfehlen. Aber in Tel Aviv hat man nichts zu befürchten.

Im Folgenden gebe ich euch Tipps und Anregungen für eine Reise in die israelische Küstenstadt. Man munkelt, dass das Ziel so gleich höher auf der ein oder anderen Bucketlist rückt – zumindest wurde das auf Instagram angemerkt 🙃.

Die beste Reisezeit für Tel Aviv

beachenAuch wenn die Sommerferien verlockend sind, weil man dem europäischen übervollen Festland entflieht: Tut’s nicht! Zwischen Juni und September ist es sehr heiß in Tel Aviv, gerade im Juli und August knallt die Sonne so richtig runter und die Temperaturen kratzen selbst abends oft an der 30-Grad-Marke. Gepaart mit der für die Stadt typisch hohen Luftfeuchtigkeit ist es wirklich schwer auszuhalten. Ihr sucht ständig nach Schatten und müsst mittags stets eine Auszeit einplanen, alles andere wäre leichtsinnig. Wir hatten dieses Jahr keine zeitliche Alternative und haben das Beste aus unserem Urlaub gemacht – wenigstens war es tagsüber in den Städten schön leer. Ich empfehle aber jedem, der nicht nur am Strand brutzeln möchte, doch lieber auf April, Mai, Oktober oder Anfang November auszuweichen. In diesen Monaten ist es mit um die 25 Grad Celsius immer noch schön warm und die paar Regentropfen, die Israel heimsuchen, fallen eher im Winter.

Anreise, Unterkunft, ÖPNV + Praktische Reisehinweise

flugzeug tel avivIhr werdet wohl ausnahmslos alle mit dem Flugzeug anreisen – es gibt hin und wieder ein paar Schnäppchen bekannter Billig-Airlines – und am Ben-Gurion-Airport landen, dem größten Flughafen Israels, der zum Glück nur gut 20 km von Tel Aviv entfernt ist. Für die Einreise müsst ihr nicht extra früh an eurem Heimatflughafen eintreffen, außer einer ggf. zweiten Handgepäcksuntersuchung erwartet euch hier nichts Ungewöhnliches. Vor Ort in Israel gibt es dann eine kurze Passkontrolle und statt Stempel im Reisepass eine Aufenthaltsgenehmigung in Papierform für die Einreise. Für die Ausreise solltet ihr allerdings etwas mehr Zeit einplanen (3-4 Stunden vor Abflug), da umfassende und teils persönliche Sicherheitsbefragungen keine Seltenheit sind und auch die Handgepäckkontrolle sehr genau erfolgt.

Um vom Flughafen in die Stadt zu kommen, nehmt am besten den Zug, der meist alle halbe Stunden von Terminal 3 abfährt. Ein Ticket kostet 13,50 NIS (Israelische Schekel), also je nach Kurs ca. 3 Euro, und lässt sich dort ganz einfach am Automaten erstehen.

Tel Aviv ist recht teuer, das wird euch vor Ort am meisten beim Essen auffallen. Noch Zuhause wird es direkt bei der Suche nach einer Unterkunft bewusst. Unter 100€/Nacht ist man selten dabei, gerade die größeren Hotels in Meernähe sind damit nicht zu kriegen. Aus diesem Grund weichen die meisten auf Airbnb oder Hostels aus. Wir entschieden uns für ein gut ausgestattetes Airbnb in Nähe des Rothschild Boulevard, was zwar vom Strand etwas weiter weg war, dafür in Nähe vieler guter Restaurants und Bars. Das Little Tel-Aviv Hostel gleich um die Ecke hatten wir ebenfalls in der engeren Auswahl. Viele steigen sonst auch im Abraham Hostel ab.

FroYo Tel AvivIn der Stadt könnt ihr vieles erlaufen, aber zwischendurch ist eine Busfahrt – besonders in der Hitze – schon verlockend. Wenn ihr, so wie wir, der hebräischen Sprache nicht mächtig seid, solltet ihr euch an Busnummern und dem Google Maps Routenplaner orientieren bzw. Routen im Voraus planen. Das klappt aber ganz gut. Für jede Fahrt müssen 5,90 NIS in bar berappt werden. Da sich das auf Dauer ganz schön läppert, lohnt sich bei einem längeren Aufenthalt auf jeden Fall der Erwerb einer Rav-Kav Card. Dieses aufladbare Ticket gibt auf jede Fahrt 20% Rabatt und nur damit sind auch Tages- oder Wochenpässe möglich. Da wir keinen Ticketshop in der Nähe hatten, haben wir uns dagegen entschieden, im Nachhinein wissen wir aber: das war die falsche Entscheidung. Also lernt aus unseren Fehlern ;).

Apropos zahlen: Ihr könnt fast überall, auch in den kleineren Imbissen, eure Kreditkarte einsetzen, für Busse, Taxi oder Märkte benötigt ihr allerdings Bargeld. Tel Aviv ist in der Hinsicht also deutlich besser entwickelt als Deutschland aber nicht so weit wie Skandinavien.

Bograshov Beach Tel AvivUnd noch ein letzter Hinweis, bevor wir zu den eigentlichen Tel Aviv Tipps kommen: Israel ist der einzige Staat der Welt, in dem Juden eine Bevölkerungsmehrheit bilden. Abgesehen davon, dass ihr demnach deutlich mehr orthodoxen Juden begegnet als gewohnt, wird euch dieser Fakt besonders bei zwei Dingen bewusst werden: es gibt in so gut wie jedem Imbiss eine Möglichkeit zum Händewaschen (yay!) und der Sabbat wird deutlich strikter zelebriert als hierzulande der Sonntag. Heißt, von Freitagabend (Sonnenuntergang) bis Samstagabend (Sonnenuntergang) haben sehr viele Restaurants und Supermärkte geschlossen, zudem fährt kein öffentlicher Nahverkehr. Wer Samstag abfliegt, muss demnach ein Taxi zum Flughafen nehmen (150 NIS, auf jeden Fall vorbestellen).

Aktivitäten in Tel Aviv

Das „Meerweh“ tritt immer viel zu schnell ein, daher macht ihr sicherlich als Allererstes einen Strandspaziergang in Tel Aviv. Die Promenade erstreckt sich über 14 Kilometer und ist in verschiedene Abschnitte eingeteilt, die sich als Außenstehender nur durch die recht unauffälligen Schilder am Wegesrand erkennen lassen. Mein liebster Strandtteil zum Baden war der Bograshov Beach, da war nicht zu viel los und es gab recht gepflegte Toiletten.

Frishman Beach Tel AvivDie meisten Touristen halten sich am zentral gelegenen Frishman Beach auf, der direkt daran grenzt. Läuft man weiter hoch, kommen, noch nach dem Hilton Hotel, der Strand der LGBT-Community sowie der religiöse Strand, an dem Geschlechter nach Wochentagen getrennt Zutritt haben. Genau daneben, in Nähe des alten Hafens, findet sich der Mezizim Strand, der echt entspannt war und vor allen Dingen von Einheimischen genutzt wird. Unterhalb des Bograshov Beach, also Richtung der Altstadt Jaffa, wird es ebenfalls etwas einheimischer und das Wasser wird (noch) welliger, da es weniger Wellenbrecher gibt.

Ihr seht: die Auswahl ist groß! Allen Strandabschnitten ist gemeinsam, dass Schwimmen ohne „Lifeguard“ verboten ist. Daran hält sich aber fast niemand, gerade nach Sonnenuntergang geht es gefühlt erst richtig los. Zwei Regeln sollte man jedoch befolgen: Niemals Glasflaschen am Strand und zum Leidwesen aller Feierabendbiertinker: ab 21:00 Uhr ist der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten. Da ist die Polizei wirklich hinterher.

Neve Tzedek Tel AvivIn Strandnähe findet sich der Carmel Market, ein immer gut besuchter Markt mit Klamotten, Essen und Mitbringsel. Das kann sich bei Pita oder Obst finanziell durchaus lohnen. Ansonsten unterscheidet sich der Markt nicht von solchen, die man z.B. aus der Türkei kennt. Entweder man mag den Trubel und das Feilschen oder eben nicht. Weniger Handeln, dafür mehr Boutiquen und schicke Häuserfassaden finden sich im Stadtteil Neve Tzedek, der auch nicht weit vom Strand ist.

Die Innenstadt von Tel Aviv ist als Weiße Stadt bekannt, eine Sammlung von mehreren Tausend weißen Häusern im Bauhaus-Stil, die zum UNESCO Welterbe gehören. Aus diesem Grund empfiehlt sich für Architekturinteressierte eine entsprechende Führung. Eine davon ist sogar kostenlos: Einfach samstags um 11 Uhr zum Rothschild Boulevard 46 kommen. Für mehr Informationen bietet sich das Bauhaus Center an der Dizengoff Street an.

Jaffa Tel AvivEin Stadtteil, den vermutlich alle Tel Aviv Besucher anschauen, ist Jaffa. Die ehemalige Hafenstadt zählt zu den ältesten der Welt und wurde im Rahmen der israelischen Unabhängigkeit mit Tel Aviv fusioniert. Aufgrund der bewegten Stadtgeschichte sind die Gebäude in Jaffa meist nicht älter als 100 Jahre. Das würde man als Laie aber nicht erkennen, denn die Altstadt mit ihren engen Gassen ist schon sehr pittoresk. Am besten nehmt ihr an einer Führung teil, um diverse kleine Geschichten über Jaffa zu hören und mehr über die geschichtliche Bedeutung der Stadt zu erfahren. Zum Beispiel werdet ihr darauf aufmerksam gemacht, dass Petrus im Haus des Ledergerbers seinen bekannten Traum hatte, in dem Gott ihm sagt, dass es keinen Sinn macht, sich kosher zu ernähren – einer der Hauptunterschiede vom Christen- zum Judentum. Oder ihr erfahrt, dass es mittlerweile zwar keine nennenswerte israelische Orangenproduktion mehr gibt, die Jaffa Cakes aber nach den Orangen aus Jaffa benannt wurden. Wenn das kein Fun Fact ist!

Unser Spaziergang durch Florentin war eines meiner Highlights des Tel Aviv Urlaubs. Der weiter südlich gelegene Stadtteil ist ein Musterbeispiel der Gentrifizierung, denn hier reihen sich verfallene Lagerhallen an moderne, aus dem Boden gestampfte Wohnkomplexe. Dazwischen findet ihr nicht nur eine Vielzahl an Bars und Restaurants, sondern auch ganz viel Street Art.

Florentin Street ArtEs macht unheimlich Spaß, durch Industriehöfe und kleine Straßen zu stromern und nach der urbanen Kunst zu suchen. Auf touristisrael.com findet ihr eine Liste mit den relevanten Orten – im Prinzip könnt ihr aber auch einfach „frei Schnauze“ durch den Stadtteil laufen. Überall, wo ihr was Buntes seht, seid ihr richtig. Geht am besten abends los, da sich viele Malereien auf den Rollläden der Geschäfte finden, die gegen 18 Uhr schließen.

Apropos abends: Tel Aviv ist für sein ausgiebiges Nachtleben bekannt. Man spürt förmlich, wie nach Sonnenuntergang ein ganz neues Leben beginnt. Donnerstag- und Freitagabend sind die absoluten Ausgehabende – wer aufgepasst hat, wird hier stutzig: Freitagabend ist Sabbat.. Scheint in dem Punkt aber die wenigsten zu interessieren, schließlich muss das Wochenende ausgenutzt werden. Als Bar kann ich euch die kleine, feine Kbar (Herzl St. 4) ans Herz legen. Rooftop und Cocktailfans kommen im Speakeasy auf ihre Kosten, da war es aber etwas zu „snobby“ für meinen Geschmack.

Essen, Essen und noch mehr Essen

Falafel Frishman Tel AvivEndlich Zeit für meinen Lieblingspunkt: das israelische Essen und meine Food-Empfehlungen für Tel Aviv.

Ich habe ungelogen selten im Urlaub so gut gespeist wie in Tel Aviv und hatte teilweise echt Probleme, alle Tipps zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Man kann ja schließlich nicht NUR essen, auch wenn es sehr verlockend ist. Zunächst: Ernährt euch vornehmlich von der einheimischen Küche. Pizza haben wir z.B. keine gute gefunden und nach Asiaten müsste man suchen. Aber will man auch gar nicht, man ist schließlich bestens bedient mit Falafel (frittiertnen Bällchen aus Kichererbsen), Hummus (Kichererbsenpüree), Shakshuka (Pochierten Eiern in Tomatensoße) und Co.

Israeli Food Tel Aviv

Geht auf jeden Fall zu Frishman Falafel und dem dazugehörigen Saftstand Mitzology. Die Falafel Pita und der Banane-Ananas-Orangen-Smoothie machen für mich das perfekte Gericht. Wer mehr auf Auberginen statt auf Kichererbsen steht, probiert einfach Sabich bei Sabih Frishman, dem Laden vom selben Betreiber daneben. Ein guter Falafel Spot ist auch Hakosem.

Ein nettes Rundumpaket israelischer Küche bekamen wir in einem vegan-vegetarischen Imbiss in der Herzl St. 98 in Florentin, alternativ einfach mal Durchessen beim Dizengoff Food Market in der gleichnamigen Mall (nur donnerstags und freitags). In Jaffa hatten wir den weltbesten Hummus, laut Einheimischen der beste Israels. Da sie Angst haben, von Touristen überlaufen zu werden, will ich den Namen an dieser Stelle nicht veröffentlichen; biete euch aber an, mich einfach danach zu fragen, wenn eure Reise ansteht.

loveat tel avivGutes Frühstück gibt es beim Loveat Café oder der israelischen Kette Benedict. Letztere ist über die Ländergrenzen bekannt und daher meist gut besucht. Da Benedict rund um die Uhr geöffnet hat, würd ich euch empfehlen, nicht unbedingt am Samstag/Sabbat um 11 Uhr dorthin zu gehen, sondern vielleicht einfach an einem Dienstag um 10 Uhr. Wer einfach einen schnellen Kaffee oder Milchshake auf die Hand möchte, geht zu Cofix. Das ist vergleichsweise echt günstig. Mega leckeren Frozen Yogurt gibt’s bei Tamara Yogurt am Rothschild Boulevard oder in der Ben Yehuda Street.

Wer es nicht lassen kann und Burger essen mag, der gehe zu Vitrina, besonders die Brötchen fand ich top! Vom Fleisch bin ich aus Berlin Besseres gewohnt, das musste ich auch nochmal feststellen, als wir am Sabbat mangels schneller Alternative bei America Burgers landeten. Brot, Belag, alles okay, Rindfleisch geht so. Ein guter Fleischladen soll auch EatMeat sein, dazu kamen wir aber leider nicht mehr. Eigentlich kann man aber auch einfach auf Fleisch verzichten und bei Falafel bleiben. Mir läuft schon wieder das Wasser im Mund zusammen… Kein Wunder, dass mich das Essen in Tel Aviv so nachhaltig beeindruckt hat, dass ich mich mittlerweile in Berlin durch alle Hummus-Restaurants teste.

Rund um Tel Aviv bzw. Israel-Tagesausflüge

Ich hab diesen Travelguide bewusst „What to do in Tel Aviv“ und nicht „What to do in Israel“ genannt, da unser Fokus auf zehn entspannten Tagen in Tel Aviv lag, ganz nach dem Motto: lieber eine Stadt richtig kennenlernen als fünf halb. Natürlich konnten wir es aber trotzdem nicht lassen, ein bisschen über den Tellerrand zu blicken und machten uns daher an einem Tag auf Richtung Totes Meer und an einem anderen Richtung Jerusalem. Mit etwas mehr Zeit wären wir auch noch in die Hafenstadt Haifa mit ihrem riesigen Garten gefahren, wir entschieden uns aber kurzerhand für den Strand.

Totes Meer

Masada IsraelZugegeben: dem Individualtouristen rollen sich angesichts eines geführten Ausflugs die Zehennägel hoch. Es gibt aber Momente, da muss man seine Prinzipien über Bord werfen und das Praktikabelste wählen: ein Ausflug zum Toten Meer ist m.E. ein solcher Anlass. Denn auch wenn ihr auf eigene Faust hintrampt, werdet ihr letzten Endes mit Dutzend anderen Touris im Toten Meer baden. Wieso da nicht den klimatisierten Mini-Bus wählen, der euch sicher hin und zurück bringt und zudem einen Tourguide on board hat, der euch während der Fahrt etwas erzählt?

Wir haben unserem Ausflug gleich noch eine Besichtigung der Festung Masada angeschlossen. Viele machen dies zum Sonnenuntergang, aber ich konnte mir die Massen an Sprungfotos schon bildhaft vorstellen und fand unsere Kombi eine gute Alternative: Es ging früh um 7 Uhr los, sodass wir gegen 10 Uhr in Masada ankamen. Zu dem Zeitpunkt waren die Sonnenaufgangsselfies passé, die großen Ausflugsgruppen aber noch nicht anwesend. Der Aufstieg ging ganz bequem mit der Seilbahn, der „Snake Trail“ als Wanderweg war wegen Hitze geschlossen. Wie bei allen „Steinhaufen“ ist es essentiell, eine gute Guide dabei zu haben, die dem ganzen Ort Leben einhaucht.

Totes MeerDie hatten wir zum Glück und nach einer schweißtreibenden Stunde (45 Grad im Schatten), ging es dann gegen Mittag zum tiefstgelegenen Punkt der Erde, dem Toten Meer und bekanntesten Salzsee. Das Schweben ist wirklich ein einmaliges Gefühl – wenn auch gewöhnungsbedürftig im über 30 Grad warmen Gewässer, das bloß nicht in die Augen gelangen darf. Für mich hat das einmalige Baden als „once in a lifetime moment“ gereicht.

Ein Tagesauflug von Tel Aviv aus war also genau die richtige Wahl – ich würde mich nicht in einem der Luxushotels einmieten wollen.

Jerusalem

Ölberg JerusalemGenug mit den organisierten Ausflügen! Nach Jerusalem machten wir uns auf eigene Faust auf – extra an einem Wochentag, damit nicht so viel los ist. Die Anreise war auch gar nicht so schwer: Von der Tel Aviv Central Bus Station fährt im Zwanzig-Minuten-Takt der Bus 405, mit dem man für entspannte 3,50€ in die Heilige Stadt fahren kann. Nach einer knappen Stunde ist man auch schon dort. Wir sind direkt mit Tram und Bus zum Ölberg, sodass wir um kurz vor 9 oben auf der Aufsichtsplattform waren und dort mit einem super Blick auf die Stadt frühstückten. Die perfekte Wahl, da es noch nicht so heiß war UND sich die Touristenmengen in Grenzen hielten.

Jüdisches Viertel JerusalemDanach ging es in die Altstadt, wo wir uns der New Sandemans Free Tour anschlossen. Ich habe bisher (fast) immer sehr gute Erfahrungen mit diesen Touren gemacht, muss aber sagen, dass die Inhalte in Israel nur sehr oberflächlich behandelt wurden und damit eher einen „Kickoff“ bzw. Verkaufsveranstaltungen für weitere Touren darstellten. Das kann daran liegen, dass die Guides dort drei Jahre (!) für eine Lizenz studieren müssen, um Touren durchführen zu dürfen und entsprechend sehr viel Anreiz haben, Geld reinzuholen. In Europa sind es im Gegensatz dazu eher „Lebenskünstler“ mit Spaß an der Sache. Nichtsdestotrotz ist eine Führung durch die Altstadt von Jerusalem essentiell, wenn man nicht durchweg seine Nase in den Reiseführer stecken will. Es gibt einfach zu viele Geschichten zu erzählen. So liefen wir durch die vier Viertel der Altstadt und erfuhren über ihre Besonderheiten: jüdisch, muslimisch, christlich, armenisch.

Nach knapp zwei Stunden hatten wir einen groben Überblick und gingen an die Orte, die uns am interessantesten erschienen: Die Grabeskirche mit dem Grab Jesu und dem Stein der Kreuzigung, die lutheranische Erlöserkirche (schön schlicht und vom Turm toller Blick über die Stadt) sowie die Klagemauer.

Grabeskirche - Jerusalem

Die jüdische Synagoge Hurva wurde uns noch empfohlen, hatte Montag aber geschlossen. Auch der Tempelberg lässt sich für Nicht-Muslime nur vormittags betreten. Sehr gerne hätte ich zudem Yad Vashem, das Holocaust-Museum, besichtigt, dieses schließt aber um 17 Uhr. Wir gingen daher noch kurz zum Mahane Yehuda Market, dem größten Markt Israels, und machten uns danach auf den Heimweg.

Generell lässt sich sagen, dass für den Besuch Jerusalems ein Tag nicht ausreicht. Die Heilige Stadt bietet einfach dermaßen viele historische Orte und religiöse Reibungsfläche, dass man sich einiges anschauen und anhören kann. Ihr solltet also bestenfalls mindestens eine Nacht dort einplanen. Nach einem Tag hat man aber zumindest ein Gefühl für die Stadt und ihre Konflikte, von daher will ich diesen Ausflug nicht missen.

Ihr merkt: Tel Aviv ist als liberale, lebhafte Stadt definitiv eine Reise wert. Und ein Besuch in Israel ist die ideale Gelegenheit, in die Kultur und Kulinarik des Nahen Ostens einzutauchen – probiert es einfach mal aus!

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6 Kommentare

  1. 29. August 2017 / 9:25

    Oh wie schön! Ich war auch 2010 in Israel und hab mich in das Land verliebt. Wenn ich Deinen Reisebericht so lese, muss ich glaub ich ganz bald wieder hin! Ich war übrigens Ende November/Dezember da und konnte noch im Meer schwimmen :)

    • 30. August 2017 / 20:54

      Ach wie schön, das nächste Mal (wann auch immer das sein wird), bin ich auf jeden Fall auch bei weniger warmen Temperaturen dort :)

  2. 4. Juni 2018 / 14:21

    Liebe Ines, wirklich vielen Dank für die tollen Einblicke. Ich war selber vor ein paar Wochen in Tel Aviv und habe meine Erfahrungen zusammengetragen. Vielleicht wollt ihr mal reinschauen:
    https://www.populrblog.com/telaviv/

    Ganz liebe Grüße
    Theresa

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