What to do in Berlin

BERIhr wart schon ein, zweimal in Berlin und habt gefühlt alles gesehen? Habt alle Touripunkte rund um Brandenburger Tor, Reichstag, Berliner Dom, Checkpoint Charlie und Co. abgehakt? Wollt aber mal wieder dorthin, weil euch die Stadt ja doch irgendwie gefallen hat? Dann gibt es hier ein paar Anregungen, was ihr euch an „Sehenswürdigkeiten für Kenner“ anschauen solltet. Ich nenne diesen Text bewusst nicht „Berlin Insider-Tipps“, denn seien wir mal ehrlich: die gibt’s in so einer großen Stadt für maximal fünf Minuten.

Kieze erkunden

WeberwieseDas Problem der meisten Berlin-Touristen ist, dass sie Mitte meist nicht verlassen, am Alexanderplatz abhängen (WIESO?) und maximal Richtung Friedrichshain gurken, um Selfies vor der East Side Gallery zu schießen. Dabei sind es genau die einzelnen Stadtteile, in denen das Leben spielt und die Berlin so abwechslungsreich und besonders machen. Wer partout in Mitte bleiben möchte, der gehe doch mal vom Hackeschen Markt Richtung Rosenthaler Platz und von dort den Weinbergsweg hoch. Psst, das ist dann schon fast Prenzlauer Berg! Aber wenn es euch zusagt, seid ihr dann direkt schon in der adretten Kastanienallee. Falls ihr andere schöne Kiez-Zentren sucht: Bergmannkiez in Kreuzberg, Maybach-Ufer / Paul-Lincke-Ufer am Kreuzkölln, Reuterkiez und Rixdorf in Neukölln und natürlich Wühlischstraße und Co. in Friedrichshain. Da man in den Stadtteilen überall abwechslungsreich, international und recht günstig essen gehen kann, lohnt sich der Blick über den Touristen-Tellerrand durchaus. Wenn’s nach mir geht, würd ich mich einfach von einem Hummus-Place zum nächsten hangeln.

Zwei grundverschiedene Flughäfen

Flughafen TempelhofFlughäfen sind in Berlin ja ein kritischer Punkt. Der neue, riesige BER im Süden wurde ewig lang einfach nicht fertig, der alte, denkmalgeschützte Naziflughafen Tempelhof bietet nicht weniger Raum für Diskussion: Erst 2014 gab es einen Volksentscheid über die weitere Verwendung des Tempelhofer Feldes, der größten Grünfläche Berlins. Es wurde für den Erhalt gestimmt und so kann man dort nicht nur super skaten, grillen und Drachen steigen lassen, nein, man kann direkt auch noch ein geschichtsträchtiges Gebäude besichtigen. Der zu seiner Zeit topmoderne Flughafen Tempelhof ist zum einen Ausdruck der nationalsozialistischen Ideologie und diente im 2. Weltkrieg der Rüstungsproduktion durch Zwangsarbeiter, zum anderen ist er ein Symbol der Freiheit, denn die Luftbrücke von 1948/49 hat den Flughafen weltberühmt gemacht.

Von oben

Klunkerkranich 2„Berlin von oben“ muss nicht immer gleich eine Fahrstuhlfahrt im Fernsehturm bedeuten. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Kreuzberg im gleichnamigen Stadtteil? 66 Höhenmeter wirken erstmal nicht sonderlich viel, aber der Kreuzberg ist die höchste natürliche Erhebung der Berliner Innenstadt und der Anstieg ist durchaus steil. Was ihn so sehenswert macht? Auf ihm wurde der Viktoriapark angelegt, zusammen mit einem großen, künstlich angelegten Wasserfall. Weniger Natur, mehr Hipstertourismus gibt’s beim Klunkerkranich, dem Dachgarten auf den Neukölln Arcaden. Wer Zeit hat, etwas mehr Zeit ins S-Bahn-Fahren zu investieren, fährt nach Grunewald. Dort geht es zum Trümmerberg Teufelsberg, der zweitgrößten Erhebung Berlins. Auf ihm befinden sich die Bauten einer Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte aus dem Kalten Krieg. Auch wenn die Gebäude leer stehen, sind sie dank Grafittikünstlern einen Blick wert. Der Besuch bedarf keiner Voranmeldung und auch Führungen sind mittlerweile nur noch optional.

Von unten

Für alle mit Höhenangst oder die, die Berlin wirklich aus allen Perspektiven beleuchten wollen: Der Verein Berliner Unterwelten erforscht, dokumentiert und erhält seit 1997 geschichtsträchtige Bauwerke im Untergrund Berlins, darunter vor allem, aber nicht ausschließlich, die verschiedensten Bunker, versteckt in U-Bahn-Höfen oder Parks. 12 verschiedene Touren werden derzeit angeboten, sodass man sich nach Belieben sein Wunschthema aussuchen kann.

Volle Ladung Geschichte

Jüdisches MuseumKlar, die turbulente Berliner Geschichte schwingt fast überall mit. Richtig offensichtlich wird sie bei folgenden Ausflugtipps, die nicht nur von Schulklassen besucht werden sollten: Die Gedenkstätte Hohenschönhausen, im Volksmund nur „Stasi Gefängnis“ genannt, zeichnet ein beklemmendes Bild vom Haftregime der DDR. Das Jüdische Museum ist nicht nur wegen seiner Libeskind-Architektur einen Besuch wert, sondern bietet einen interessanten Überblick über zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte. Das Anne-Frank-Zentrum lohnt sich für einen kurzen Besuch, wenn das Anne-Frank-Haus in Amsterdam noch nicht besucht wurde. Das eindrucksvolle Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park wurde im Auftrag der sowjetischen Truppen errichtet, um die im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee zu ehren. Über 7.000 Soldaten sind hier bestattet. (On a lighter note: Am Treptower Park lässt sich auch gut Tretboot auf der Spree fahren!)

Übrigens ist auch das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen nicht weit entfernt und mit einem ABC-Ticket der Berliner S-Bahn zu erreichen. Anbieter wie Insider Tours ermöglichen gemeinsame Anfahrt und Führung in einem.

Grünes Umland 

Pfaueninsel 1Wer tatsächlich nach Berlin gefahren ist, um sich zu erholen, dem reichen die gewöhnlichen Grünanlagen vermutlich nicht aus. Ruhiger wird’s in den Randbezirken außerhalb des S-Bahn-Rings oder gleich im Berliner Umland. In den bekannten Wander- und Spazier-Apps gibt es gute Routen zu finden. Wer nicht suchen mag, hier drei Vorschläge für Naturliebhaber oder gestresste Berliner: Neu-Venedig in Wilhemshagen. Weil die Spree im Berliner Ortsteil Rahnsdorf ein kleines Delta mit fünf verzweigten Kanälen bildet und die Wohnanlagen größtenteils Wassergrundstücke mit Steg oder Bootshaus sind, bekam die Wochenendhaussiedlung ihren aussagekräftigen Namen. Direkt um die Ecke liegt der Müggelsee, der auch einen Besuch wert und zudem Teil des pittoresken Friedrichshagen ist – man würde nicht denken, dass man sich noch in Berlin befindet. Die Pfaueninsel in der Havel im Südwesten Berlins. Sie ist ein zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gehörender Landschaftspark und relativ in der Nähe vom Schloss Sanssouci in Potsdam gelegen, sodass sich daraus gut ein „Preußen-Tag“ machen lässt. Der Spreewald ist eine Auen- und Moorlandschaft im Südosten des Bundeslandes Brandenburg und zählt dort zu den beliebtesten Reisezielen.

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5 Kommentare

  1. 1. Oktober 2015 / 21:06

    Verdammt, jetzt hab ich wieder Sehnsucht nach meiner früheren Heimat ;-)

  2. t.
    4. Oktober 2015 / 20:25

    Neu-Venedig klingt super interessant! Ist jetzt auch keine besonders bekannte Ecke.

  3. 9. Mai 2021 / 7:31

    Wieder was mehr gelernt! Ein lehrreicher Artikel welchen du geteilt hast.
    Es ist schwierig über das Thema auf google was zu recherchieren.

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