Oh, du europäische Reisefreiheit

Grass - Europäische ReisefreiheitWenn man Leute fragt, was sie am viel kritisierten Europa eigentlich schätzen, wäre die meist genannte Antwort vor ein paar Monaten wohl noch gewesen: die offenen Grenzen. Nun ist dieses Thema mittlerweile ein sehr emotionales, hoch diskutiertes geworden, welches nicht nur hierzulande wahlentscheidend ist. Die wenigsten verbinden damit noch eine positiv assoziierte europäische Reisefreiheit, sondern denken direkt an die Flüchtlingsdebatte und die darauffolgenden Konflikte. Dabei hat uns der europäische Zusammenschluss etwas gegeben, von dem Amerikaner und viele andere Nationen nur träumen können: die Möglichkeit, ohne viel Aufwand zwischen verschiedenen Ländern, Städten und Kulturen durch die Gegend zu fliegen oder auch mal mehrere Monate dort zu leben. Nicht mal einen Personalausweis zeigen musste man lange Zeit und auch die jetzigen Kontrollen sind nichts verglichen mit z.B. einer Grenzüberschreitung von Kanada in die USA.

Durch diese vielen Möglichkeiten vergessen wir nicht nur manchmal, unser eigenes Land zu erkunden – in drei deutschen Bundesländern war ich noch nie –, sondern haben uns auch etwas angeeignet, das ich seit kurzem liebevoll „Reiseintelligenz“ nenne. Wir sind nämlich durch die ganz gewohnten und fast schon gewöhnlichen Kurztrips durch Europa unglaublich selbstständig geworden, was Reiseorganisation, Währungswechsel oder Billigfliegerrecherche angeht und konnten auch die Sitten und Traditionen vieler anderer Länder kennenlernen. Dabei lähmt uns keine Furcht vor Fremdem. Im Gegenteil! Wir sprechen munter Englisch statt Deutsch und wollen so viel wie möglich von der uns unbekannten Kultur einatmen, das beste landestypische Essen finden oder mit Einheimischen in Kontakt kommen. Uns ist bewusst, dass es ein „True German“ oder „True Italian“ eigentlich gar nicht (mehr) gibt, auch wenn das ein oder andere Klischee manchmal trotzdem zutrifft. Wir kennen eigentlich immer schon jemanden, der Tipps geben kann, weil er sich länger an dem jeweiligen Ort aufgehalten hat oder gar dort her kommt. Lissabon Anflug - europäische ReisefreiheitWir freuen uns auf andere Gewohnheiten und sind offen, uns auf Neues einzulassen. Wie schade, wenn das irgendwann nicht mehr möglich wäre! Lasst uns die europäische Reisefreiheit wertschätzen, nicht für ein paar ökologisch desaströse Tage Fernreisen unternehmen und so viel erkunden, wie es uns zeitlich und finanziell möglich ist. Wie heißt es immer so schön kitschig: „Travel is the only thing you buy that makes you richer“. Und definitiv weniger ausländerfeindlich.

Kommende Reisepläne

Ich gehe gleich mal mit gutem Beispiel voran und habe für die nächsten beiden Monate London, Mallorca und Prag im Kalender stehen. Falls ihr mir etwas empfehlen könnt – nur her damit! In London kenne ich alle Sehenswürdigkeiten und freu mich über Essenstipps und schöne Ecken abseits der Touristrecken, auf Mallorca interessieren mich nette Naturschauspiele für unseren Mini-Roadtrip und in Prag quasi alles – da war ich nämlich noch nie.

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5 Kommentare

  1. 15. Februar 2017 / 16:12

    Ich bin auch ein großer Fan der europäischen Reisefreiheit und finde es schön, dass du darüber schreibst. Ich finde es ist gerade in diesen Zeiten wichtig, auch mal zu seiner Europalust zu stehen. Ich war letztes Jahr in London und wir hatten ein Airbnb in Islington, das mir total gut gefallen hat mit ganz vielen süßen Restaurants und Cafes und vielen hübschen Altbauten. Es gibt in London ja für einen Trip viel zu viele Märkte aber den Broadway Maket (ist glaub nur Samstags) fand ich am wenigsten Touri-mässig, wenn auch sehr hipsterig :D Bei mir steht dieses Jahr wahrschl. auch noch Mallorca auf dem Plan :D LG

    • 16. Februar 2017 / 20:24

      Ach cool, da haben wir ja ähnliche Interessen :) Ich notier mir den Markt mal!

  2. 17. Februar 2017 / 7:55

    Das macht das Reisen in Europa ja auch wirklich so angenehm! Bezeichnend dafür war auch das Brexit-Votum, wo die gesammelte Jugend aufgrund der persönlichen Erfahrungen wie der offenen Grenzen für einen Verbleib gestimmt hatte.

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